Donnerstag, 11. September 2008

Ein Lob dem Lob


Loben wir eigentlich genug? Natürlich muss sich das jeder selbst fragen aber ich fürchte, wenn wir ehrlich sind wird die Antwort "nein" heißen müssen. Woran liegt es? Wir müssen doch wissen wie das ist. Wie oft haben wir uns im Stillen ein Lob gewünscht? Wie so tun wir uns damit so schwer?

Lob kann auf sehr unterschiedliche Art geäußert werden: Man kann jemandes lob singen, Lob spenden, man kann sich in Lob erschöpfen.

Man kann mit dem Lob schmeicheln, man kann nach Lob dürsten, man kann aber auch über jedes Lob erhaben sein.

Großzügig spenden wir häufig Lob am Grabe des Verstorbenen, doch oft genug wird man sich fragen müssen, was dieses Lob wert ist, denn der Verstorbene hätte es zu Lebzeiten sicher lieber gehört.

Diese Betrachtungen machen es uns nicht gerade leichter ein Lob auszusprechen. Wenn wir dann in unsere Überlegungen noch den Spruch einbeziehen "Wer mir schmeichelt ist mein Feind, wer mich tadelt mein Lehrer", können wir schon einmal daran zweifeln, ob wir dem zu lobenden wirklich einen Gefallen tun.

Darüber hinaus meinen wir wohl auch, dass vieles in der täglichen Routine so selbstverständlich ist, dass es nicht lobens wert ist. Einer der Gründe wird auch sein, dass es uns schwer fällt, die Leistung anderer anzuerkennen.

In uns meldet sich manchmal dieser "kleine Schweinehund", der uns einreden will, wenn man mich nur lassen würde, oder ich die Zeit dazu hätte, wenn mich die ganze Welt nicht immer missverstehen würde, oder, oder, oder….. , könnte ich das auch. In unseren Tagträumen lassen wir uns schon einmal zu solchen Fantasien hinreißen.

Vielleicht findet sich aber auch eine Erklärung in der Definition, die ich in einem Lexikon fand:

Lob ist eine soziale Anerkennung einer Leistung. Sie dient unter anderem der Motivation der gelobten Person, um das gezeigte Verhalten fortzuführen bzw. das Bemühen zu intensivieren.

Der Wert der Anerkennung beruht auf der Kompetenz oder Macht des Lobenden und auf seiner Seltenheit.

Nun kann man sicher über solche Definitionen streiten, aber der zweite Satz scheint eine wesentliche Erklärung zu geben. Ein Lob freut uns besonders, wenn die lobende Person eine hohe Kompetenz besitzt und dadurch das Lob aufgewertet wird. Natürlich bestimmt auch die Seltenheit den Wert eines Lobes. Wenn das Lob allerdings nur aus dem Motiv heraus ausgesprochen wird "um das gezeigte Verhalten fortzuführen beziehungsweise das Bemühen zu intensivieren", dann hat es für mich auch schon einen bitteren Beigeschmack, weil dieses Lob nicht wertfrei ist, sondern nur ausgesprochen wird, um denjenigen, der es ausspricht einen Vorteil zu verschaffen. Es macht auch einen wesentlichen Unterschied aus, ob der Chef einer großen Firma, oder eine andere Person mit hoher Kompetenz, uns zu sich ruft, um uns vor anderen zu loben, oder ob unser kleiner vierjähriger Sohn sagt: "Papa, das hast du ganz toll gemacht!"

Nicht dass wir uns darüber nicht freuen aber innerlich stufen wir das Lob doch ein wenig herunter mit einer gedachten Bemerkung wie, "ach der Kleine". Wobei wir natürlich mit Sicherheit wissen, dass sein Lob ehrlich und neidlos und absichtslos ist.

Ein Lob auszusprechen, bei dem man eine anerkennende, neidlose, bewundernde Herzlichkeit spürt, ist gar nicht so einfach, wie wir vielleicht glauben. Daher sind manche Menschen auch unsicher, ob sie sich über ein Lob freuen sollen oder nicht, wenn sie dahinter eine manipulierende Absicht verspüren. Wir tendieren daher wohl eher dazu, mit einem Lob zu geizen, weil dabei unbewusst oder unausgesprochen der Gedanke "wer lobt mich denn?", auch eine große Rolle spielt. Wir werden uns nicht häufig eingestehen, dass Missgunst, Eifersucht und Neid eine Rolle spielen.

Fazit dieser kleinen Betrachtung:

Grundsätzlich sollten wir ständig unser Bestes geben und alles nur nach bestem Wissen, in bester Absicht tun. Wenn wir dafür nicht lobende Anerkennung finden, dann tun wir es eben selber, darauf können wir uns wenigstens verlassen.

Samstag, 5. Juli 2008

Gedanken über den Tod


Frage am Anfang: Wer hat mehr Angst vorm Tod, derjenige der über ihn redet, oder derjenige, der ihn totschweigt?

Wir reden über den Tod, als wäre er eine andere Form des Seins. Wir verharmlosen ihn in dem Moment, wo wir ihn zu einer virtuellen Person machen. Wir haben dafür Sprüche wie; der Tod ereilte ihn in der Nacht. Dieser virtuelle Tod also macht sich an uns heran und entzieht uns das Leben, dieser Schweinehund.

Dann gibt es da noch die wunderschönen Bilder, der Tod, ein Knochengerüst mit Sense, ein Bild, das uns Angst machen soll, anstatt uns zu trösten.

Aber gibt es überhaupt etwas Tröstliches um den Tod herum? Ich denke nein. In dem Moment, in dem wir uns der Einmaligkeit unserer Existenz, der fantastischen Unglaublichkeit unseres Seins in dieser ungewöhnlich faszinierenden, gigantischen, rätselhaften Welt bewusst werden, als Wesen die sich selbst betrachten können, die von der Natur herausgehoben zu sein scheinen, in dem Augenblick wo wir das erkennen, können wir unmöglich mit einer leichten Geste des; na dann eben nicht, dieses Geschenk des Lebens aufgeben oder wegwerfen.

Und darum kommen wir auch schon mit der Angst auf die Welt; in dem Moment in dem wir das Licht der Welt erblicken geben wir den ersten Angstschrei von uns, damit man sich um uns kümmert und uns nicht vergisst und uns hilft, den ersten Atemzug zu tun.

Zurück zu den Verharmlosungen. Für mich ist eine der schlimmsten die Formulierung; Jesus in seiner Güte hat ihn Heim geholt.

Mich wundert immer wieder, wie erwachsene Menschen die Naivität aufbringen können, solche Formulierungen von sich zu geben. Was war eigentlich vorher, bevor Jesus Christus in die Welt getreten ist. All die vielen Menschen, die in der tiefen Vergangenheit gestorben sind, alle ohne die Güte von Jesus. Sie konnten nicht Heim gerufen werden. Heim gerufen, alleine schon dieses Wort es hat so etwas ungewöhnlich Wohltuendes und gemütliches an sich.

Warum bedürfen wir solcher Formulierung? Letzten Endes heißt das doch, dass die Erde nicht unser zuhause ist.

Da gibt es noch die Formulierungen, er ist von uns gegangen. Hier wird auch wieder ein Bild benutzt. Jemand bricht auf, macht sich auf die Socken und geht zu Fuß ins Nichts. Das hört sich an, als würde er freiwillig gehen. Er war die ganze Zeit schon drauf vorbereitet, hatte seine Sachen gepackt.

Sehr schön ist auch die Verlockung der ewigen Ruhe, mein Gott wer sehnt sich häufig nicht danach, nach Ruhe. Aber ewige Ruhe, das ist dann doch bisschen zu viel, und warum? Weil sie ja gar nicht mehr wahrgenommen wird. Ruhe ist doch nur etwas Angenehmes, etwas Entspannendes, Erstrebenswertes , wenn man sie auch erleben kann. Aber Tote können doch nichts erleben und schon gar nicht die Ruhe.

Immer wenn ich das Wort Tod oder tot schreibe ärgere ich mich eigentlich über mich selbst, dass mir kein anderer Begriff dazu einfällt. Es stört mich, dass wir so tun, als sei der Tod eine andere Existenzform. Ein Toter ist doch nichts anderes, als die Ansammlung von Atomen und Molekülen in einer Form und Art, die keinen Sinn mehr macht. Die nur daran erinnert, dass in dieser Form etwas existiert hat, das lebendig als Ganzes Sinn gemacht hat. Vielleicht wäre es für uns einfacher den Tod in seiner Radikalität, in seiner ganzen Radikalität zu verstehen, wenn im Augenblick des Todes der Körper in Staub und somit ins Nichts zerfallen würde.

In all dem spiegelt sich immer wieder die Scheiss Angst vor dem Tod.

Die Religion ist dieses Thema auch sehr konträr angegangen. Zum einen hat sie versucht die Situation des Todes zu verbrämen und auf der anderen Seite hat sie die Angst geschürt und das, wie es scheint, je nach Bedarf.

Auffallend ist zum Beispiel, dass der Koran mit Drohungen nicht spart.

In einer Zeit aufgeklärter Technik, in einer Zeit, in der es uns gelungen ist auf dem Mond fuß zu fassen, ist es für mich ein Phänomen, dass es der Religion gelingt ihren Gläubigen immer noch die Vorstellung des Himmels zu verkaufen. Ganz besonders der Islam, der seinen religiösen Anhängern, also denjenigen, die ihr Leben bei der Verteidigung des Islams geopfert haben, den Himmel verspricht und das sogar mit der Sonderprämie, von einer großen Anzahl Jungfrauen versorgt zu werden. Was ist eigentlich mit dem Widerspruch, dass die dort oben ankommenden Seelen ja wohl nur Geschlechtslos sein können und wo bleibt da für diese Geschlechtslosen Seelen die Attraktivität weiblicher Wesen ? Hier kann es sich doch wohl nur noch um Indoktrinierung handeln und nicht mehr um Religion. Anders ist es doch wohl nicht zu erklären, das erwachsene Menschen ihr junges, wertvolles Leben sinnlos in die Luft blasen.

Das Problem mit der Angst ist ein zweischneidiges. Auf der einen Seite ist es unglaublich wichtig, dass wir eine grenzenlose Angst davor haben unser Leben zu verlieren, das heißt eine gewisse Vorsicht walten lassen bei unseren Unternehmungen, damit wir unser Leben nicht aufs Spiel setzen, denn es ist ja nun einmal etwas absolut Einmaliges, es ist nicht wiederholbar. Auf der anderen Seite sollen wir dann angstlos uns einverstanden zeigen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt, schlicht gesagt, wir sollen unser inneres Einverständnis geben und dann wieder ohne Angst. Wir müssen keine Angst haben, wir sollen uns nur fallen lassen. Aber wen interessiert es eigentlich noch, ob ich zähneknirschend sterbe oder mit Irrlichtern in den Augen Seelenvoll ins Nichts gleitet.

Ich bin ausgelöscht, nicht mehr existent, futsch, weg, war was? Oder; erinnerst du dich noch an den? Nee, keine Ahnung, muss lange vor meiner Zeit gewesen. Was war denn mit dem?

Donnerstag, 22. Mai 2008

Glücklich?!


Um 12:30 Uhr sollte der Zug von München nach Hannover in München abfahren. Als er den Bahnhof erreichte war es 12:40 Uhr. Zu seinem Erstaunen erfuhr er, dass der Zug aber immer noch nicht eingetroffen war.

Da hatte er mal wieder Glück gehabt. Aber war er nun glücklich? Nein! Er hatte in München ein Vorstellungsgespräch, war aber abgelehnt worden. Aber auch wenn er den Job bekommen hätte, wäre er dann glücklich gewesen? Wahrscheinlich auch nicht. Er hätte einen Job bekommen, der schlechter bezahlt worden wäre, als seine bisherigen Anstellungen. Aber er wäre mit Sicherheit zufrieden gewesen. Er hätte einen vernünftigen Lebensunterhalt verdient und wäre nicht wieder auf Harz 4 angewiesen gewesen.

Während der längeren Zugfahrt hatte er Zeit zum nachdenken. Dabei fiel ihm auf, dass er alle diese Begriffe, Glück gehabt, glücklich sein, zufrieden sein ständig benutzte, ohne sich über ihre wahre Bedeutung im klaren zu sein. Schon allein dieses Wort; glücklich. Es hatte so ein breites Spektrum. Wann war man eigentlich glücklich? Es fiel ihm die Formulierung; wunschlos glücklich sein, ein. Wunschlos, das ist sicher ein Schlüssel zum glücklich sein, keine Bedürfnisse verspüren. Weder Hunger noch Schmerzen haben. Ein euphorisches Gefühl der Vollkommenheit, kein sich Sorgen um, kein hoffen auf, kein fürchten das. Auch kein nachgrübeln, kein denken an, kein suchen nach. Kein vermissen und kein warten auf.

Das Gefühl wesentlich zu sein.

Je mehr er darüber nachdachte um so deutlicher schälte sich dieser Begriff heraus. All dies erklärte aber auch, warum der Zustand des glücklich Seins nur von kurzer Dauer sein darf und muss. Denn der Zustand des glücklich Seins, ist gleichzeitig ein Zustand des abgehoben Seins, ein Zustand des abwesend Seins. Wir sind in diesem Zustand sorglos, und unaufmerksam. Wir sind in einem Zustand der Verletzbarkeit.

Wir leben nicht allein auf dieser Welt. Wir leben in einer Gemeinschaft, sind abhängig von ihr. Und jeder in dieser Gemeinschaft ist darauf bedacht, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt seinen Vorteil zu suchen. Und leider geht es fast immer nur auf Kosten eines anderen. Darum können wir uns diesen Zustand allein aus diesem Grund nicht längere Zeit erlauben.

Aber davon einmal abgesehen, wenn der Zustand des glücklich Seins von Dauer wäre, würde er das sensationelle Gefühl des Aussergewöhnlichen entwerten.

Ständig glücklich sein würde uns sicherlich unglücklich machen.

In diesem Augenblicke wurde ihm plötzlich auch klar wie häufig er Zufriedenheit und glücklich sein durcheinander geworfen hatte. Zufriedenheit lässt immer noch etwas offen, glücklich sein ist abgeschlossen. Zufriedenheit hat etwas mit Erwartung zu tun. Man ist nicht wunschlos glücklich aber im Einklang mit dem jetzt. Das schliesst nicht aus, dass man in Zukunft mehr erwarten darf, mehr erreichen kann. Aber der Zustand befriedigt uns fürs erste.

Er lehnte sich in seinen Sitz zurück, er war glücklich eine Lösung gefunden zu haben. Doch dann korrigierte er sich schnell. Er hatte sich dabei ertappt wieder gedankenlos die falsche Formulierung benutzt zu haben. Also:

Er freute sich darüber eine Lösung gefunden zu haben, jetzt war er mit sich zufrieden.

Samstag, 26. April 2008

Faulheit

Das ist ein ganz fauler Hund.

Wer hat das nicht schon einmal von sich gegeben. Obwohl, wieso sprechen wir eigentlich vom faulen Hund. Und dann dieses Wort Faulheit, eines der Worte, die wir hin und wieder gerne verwenden, ohne darüber nachzudenken ob wir sie auch hinreichend genau definieren können. Wir sind einfach der Meinung, wir wissen genau, was das Wort bedeutet.

Aber die Sache mit dem faulen Hund zum Beispiel, der liegt also in der Sonne, streckt alle Viere von sich, und tut gar nichts. Was aber erwarten wir von ihm? Soll er sich die Zeit mit Strümpfe stricken vertreiben oder beim Kaminholz stapeln helfen?

Das kann er doch gar nicht, er ist ein Hund. Und außerdem ist er nicht faul, sondern er sammelt Kraft und ruht sich aus. Ein wirklich fauler Hund wäre er, wenn er zu faul wäre zu fressen und er nur fressen würde, wenn wir ihm das Futter und den Napf bringen. Aber Hunde sind häufig weitaus vernünftiger als ihr Frauchen, das isst auch schon einmal, ohne dass es unbedingt Hunger hat. Der Hund dagegen ist vernünftig und frisst nur wenn er Hunger hat.

Aber ich will nicht zu sehr ins Philosophische vordringen und die Dinge mehr von der praktischen Seite sehen. Denn, über Faulheit und Fleiß ist schon sehr viel geschrieben worden und das ist kaum noch zu toppen.

Da ist die alte Erkenntnis; Müßiggang ist aller Laster Anfang. Und da ist natürlich was dran. Aber es gibt auch diese Faulheit, die auf einer tief verwurzelten Anspruchslosigkeit beruht.

Die Faulheit wurde aus christlicher Sicht sicher auch zu den Lastern gerechnet, weil sich die Gesellschaft, nicht ganz ohne egoistischen Hintergedanken, davor schützen wollte die Untätigen mit durchzufüttern, solange sie in der Lage sind für sich selbst zu sorgen.

Von denen, die hilflos sind und nicht für sich selbst sorgen können, will ich in diesem Fall gar nicht reden.

Neuerdings rückt allerdings eine Gruppe ins Rampenlicht, die vom inneren Antrieb her nicht faul ist, der aber die Gesellschaft keine Tätigkeit übrig gelassen hat. Das Problem dabei ist, dass es der Gesellschaft grundsätzlich schwer fällt ihnen den Status "hilflos" zuzuerkennen. Wir vergeben die Arbeit an die Maschinen. Die Maschinen haben aber kein Gefühl für soziale Verantwortung. Das menschliche Leben ist von Natur aus auf Wettbewerb ausgerichtet, also Wettbewerb unter Menschen; aber im Wettbewerb mit der Maschine hat der Mensch keine Schance.

Und was fangen wir in solch einem Fall mit dem Spruch "ora et labora an?" da bleibt am Ende für die Betroffenen doch nur noch die Möglichkeit zu beten und da das auf die Dauer nichts hilft, müssen Sie bitten, bitten, dass die Gesellschaft sie nicht verkommen lässt.

Die wirklich Faulen sind wohl eher diejenigen, die voll im Saft stehen, eine zumutbare Arbeit angeboten bekommen, sie unter fadenscheinigen Argumenten ablehnen und sich unter Ausnutzung aller sozialen Gesetzeslücken durchs Leben schlagen, ohne einen Finger zu krümmen und sich dessen dann noch rühmen. Das sind die echten Parasiten.

Zum Abschluss noch ein Wort, ein Dankeschön an diejenigen Faulen, deren Faulheit dazu geführt hat, Dinge zu entwickeln und zu erfinden, die uns das Leben erleichtern. Sie sind der Beweis dafür, dass Faulheit auch konstruktiv sein kann und daher sind sie mir besonders sympathisch.

Ehe ist....

Ehe ist: Ein Drama ohne Regisseur
Ehe ist: Wenn ohne Liebe gar nichts geht
Ehe ist: Ein Schiff, das ständig den Kurs wechselt, weil beide Kapitän spielen wollen.
Ehe ist: Beide wollen das Beste; die Scheidung.
Ehe ist: Ein lebenslanger Laborversuch ohne wissenschaftliche Betreuung.

Freitag, 11. April 2008

Gedanken über Neid und Missgunst

Neid und Missgunst, wem sind sie im Leben nicht schon begegnet. Sehr häufig, wenn uns etwas Besonders gut gelungen ist sind wir auch begierig nach Anerkennung, sehr häufig warten wir auch auf ein Lob; aber, es wird uns versagt. Gerade dann, wenn wir besonders hungrig nach einem Lob sind, verweigert man es uns und wir fragen uns dann woran es wohl liegen mag?

Einer der plausibelsten Gründe: Wir haben etwas geschafft und getan was schon längst fällig war, was einer geringen Anstrengung bedurfte und was unsere Umwelt mit der größten Selbstverständlichkeit täglich und zum wiederholten Male getan hat. Kurz gesagt, niemand kommt auf die Idee das soeben Getane oder Erledigte als eine herausragende, lobenswerte Leistung zu sehen.

Das scheint im ersten Augenblick durchaus vernünftig und richtig, aber manchmal versäumen wir es genauer hinzusehen. Nicht alles was der eine oder andere mit Links und ohne große Anstrengung erledigen kann, können andere mit der gleichen Leichtigkeit.

Wenn z. B. ein Behinderter unter großen Anstrengungen Geschirr gespült hat, so kann das durchaus eine lobenswerte Leistung sein. Wo also sollen wir den Maßstab finden.

Nun, dies ist ein besonders krasser Vergleich gewesen, ich denke, bei unseren Kindern finden wir dann schon eher anschauliche Beispiele. Wenn zum Beispiel der kleine Robert zum ersten Mal einen vernünftigen Satz spricht, sind wir mit Sicherheit bereit ein großes Lob auszusprechen, um ihm zu beweisen dass er in seiner Situation etwas Besonderes geleistet hat. Ja wir sind sogar bereit ihn über alle Maßen zu loben. Wir tun das mit der größten Selbstlosigkeit. Wie so aber fällt es uns in so einem Fall so leicht? So hässlich es klingen mag, aber der Kleine ist für uns keine Konkurrenz, er kann uns mit seiner Fähigkeit auf keinen Fall in die Quere kommen.

Wer aber bringt es schon fertig in Gegenwart seines Chefs einen gleichrangigen Kollegen zu loben und dessen Fähigkeiten herauszustellen.

Bestenfalls sind wir vielleicht bereit zu der Erklärung: Der Kollege Meier hat die Sache gar nicht schlecht erledigt, sollte sich aber dringend bemühen in der und der Angelegenheit etwas aufmerksamer zu sein. Es wird gelobt, aber schnell mit einer Einschränkung. Warum tun wir das? Immer da wo uns eine direkte Konkurrenz droht, sind wir sehr zurückhaltend und vorsichtig mit einem Lob, sogar wenn wir feststellen, jemand ist uns weit überlegen. Das können wir auf keinen Fall eingestehen, wir würden ja unser eigenes Selbstwertgefühl schmälern. Wenn jemand marginal besser ist, kann man das schon mal lobend erwähnen, aber auf keinen Fall, wenn er um Klassen besser ist. Warum ist das wohl so? Unser Verhalten weist immer wieder darauf hin, dass wir unser ganzes Leben lang mit unserer Umwelt konkurrieren wollen, müssen oder können. Es ist ein harter, stiller, zäher und oft verzweifelter Kampf, bei den wir uns oft vor uns selbst rechtfertigen mit: Wenn ich... ... Dann hätte ich sicherlich auch. Und wir haben immer eine Unzahl von "wenn ich's" auf Lager.

Grundsätzlich gilt wohl: Wir sind durchaus in der Lage zu loben, wenn derjenige, den wir loben für uns überhaupt keine Konkurrenz ist und uns nicht in die Quere kommen kann. Dabei ist der örtliche Abstand durchaus manchmal auch hilfreich. Schwierig wird es immer dann, wenn uns jemand mit seiner Leistung nahe kommt oder anders gesagt, aus unserem näheren oder nahen Umfeld kommt. Da besteht immer die Gefahr, dass er uns gegenüber herausgehoben wird und das können wir nicht oder nur schwer ertragen.

Natürlich ist dies eine uralte Erkenntnis, nichts Neues, der Prophet gilt eben nichts im eigenen Land.

Wenn aber jemand spontan die Anerkennung einer großen Masse findet, dann wird es nicht einfach sein für den einzelnen, demjenigen die Anerkennung zu verweigern, denn in diesem Fall würde er sich öffentlich als Neidhammel zu erkennen geben. Er würde sich also outen, dann würde er sich lieber verbiegen und wahrscheinlich mit den Wölfen loben.

Solange wir uns als Konkurrenten im Leben sehen um einen Posten um Anerkennung und Erfolg, wird sich daran wohl nichts ändern. Die Frage ist doch für uns nur, wie werden wir damit fertig, wenn gerade unsere nähere Umgebung uns die Anerkennung versagt?

Eine Antwort darauf wäre wohl, wir müssen unseren Ehrgeiz zügeln, das ständige Bemühen aus der Masse heraus zu ragen. Wir sollten alles, was wir anfassen und tun lediglich so gut wie es uns möglich ist tun, und nicht als allererstes danach streben mit dem, was wir tun Anerkennung zu finden. Wenn es wirklich gut ist, wird es sich mit der Zeit behaupten. Die einzige Frage ist, ob das noch zu unserer Zeit geschieht. Wir sollten also nicht nach der Anerkennung für unsere Arbeit streben, sondern nur danach streben Erfüllung und Freude in unserer Arbeit zu finden.

Gut gebrüllt, Löwe, sage ich zu mir selbst, dennoch habe ich Probleme die Erkenntnisse meiner Überlegungen in die Praxis umzusetzen. Aber ich bin voller Hoffnung.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Hochhäuser, Beton und Co


In einer Wirtschaftssendung des Zweiten Deutschen Fernsehens ging es um das Thema: Steigende Nebenkosten bei der Miete.

Als Beispiel wurde ein Rentnerehepaar gezeigt, das in einem Hochhaus wohnt und feststellen muss, dass die Nebenkosten so hoch angestiegen sind, dass das Paar sich gezwungen sieht, die Wohnung aufzugeben.

Vorher tastete die Kamera an der Fassade des Hochhauses hoch, in dem dieses Ehepaar lebt, und der Sprecher machte so ganz beiläufig die Bemerkung, dass dieses Hochhaus architektonisch keine Augenweide sei. Wohl bemerkt ein sauberes Haus mit klaren Linien und grossen Balkonen.

Ich fand, dass im Zusammenhang mit dem Thema dieses Berichtes, die Bemerkung völlig unerheblich und unwichtig war.

Und dennoch wurde sie gemacht, und das ist der Punkt an dem ich mich reibe. Immer wieder werden von Presse und Rundfunk, pauschal und undifferenziert, in irgendeiner Form abfällige und herabsetzende Bemerkungen über Hochhäuser gemacht.

In diesen Berichten werden ständig die schmückenden Attribute Beton, Plattenbau, hässlich, anonym, einsam verwendet und das mit monotoner Einfallslosigkeit.

Das interessante daran ist, dass beispielsweise das Ehepaar in dem oben erwähnten Hochhaus betonte, dass es die Wohnung nur ungern verlässt, weil es sich dort sehr wohl fühlt.

Und da fragt man sich natürlich als Betrachter, wie können Sie sich in diesem Haus, mit einer solchen Fassade wohl fühlen? Kann es daran liegen, dass dieses Ehepaar in dem Haus und nicht vor dem Haus wohnt?

Es steht ausser Zweifel, dass die Hochhäuser nicht den Charme eines barocken Schlosses haben. Aber sie bieten dem Bewohner alle Voraussetzungen dazu, sich ein wohnliches Zuhause einzurichten, was man von manchem schönen Schloss sicher nicht immer sagen kann, denn ob es dort im Winter immer gemütlich warm war, wage ich zu bezweifeln.

Wieso beurteilt man Hochhäuser nur nach der Fassade und am Ende nicht danach, wie sich die Menschen dort fühlen. Jedenfalls sind die nicht begeistert, wenn sie hören müssen, dass irgendwelche Schlauberger ihnen einreden wollen, dass sie dort, wo sie wohnen, auf keinen Fall glücklich sein können. Sie lassen sie zurück mit dem Gefühl, in einer menschenunwürdigen Wohnung zu leben. Letztenendes diskriminieren sie sie. Wer glaubt, auf seine gesellschaftliche Einordnung Rücksicht nehmen zu müssen, kann es sich nicht erlauben, in ein solches Haus einzuziehen. Da zieht man dann doch lieber in eine Altbau-Jugendstil Wohnung. Dabei beweist man Geschmack und Stil.

Eigentümlicher Weise habe ich noch nie eine abfällige Bemerkung über die einfallslose Monotonie beim Bau von Reihenhäusern gehört. Neuerdings werden sie auch aus Betonfertigteilen hergestellt und dann tapeziert man sie an der Aussenfassade mit Backsteinen. So lässt sich leben, schon ist das Haus wohnlich.

Die Diskriminierung von Hochhäusern fördert sicher auch den Wunsch nach einem Eigenheim, das in der Reputation weitaus höher steht, als eine Eigentumswohnung.

Hauptsache ein eigenes Haus, auch wenn es ein Reihenhaus ist. Anstatt dafür zu sorgen, dass man die Qualität von Hochhäusern verbessert, sie intern schalldicht macht und den Wohnkomfort erhöht, diffamiert man sie. Hochhäuser könnten durchaus eine hohe Lebensqualität besitzen. Man kann den Wohlfühlwert durch die Integration von Bädern, Sauna, Gemeinschaftsraum und begrünten Dachterrassen erhöhen. Da sie eine geringe Grundfläche verbrauchen, kann man sie mit kleinen Parkanlagen umgeben.

Im Gegensatz dazu verbauen wir mit vielen kleinen Eigentumshäusern die Grundfläche und zersiedeln das Land. Bis wir eines Tages nur noch ein paar Grünflächen für den Ackerbau haben, die in Notzeiten nicht ausreichen um die Bevölkerung autark zu ernähren.

Eines Tages werden wir nicht einmal Platz für eine kleine Parkanlage haben, aber dafür hat man dann sein kleines Handtuch von Garten hinterm Haus in dem man, wie in einem Gefängnishof, auf und abgehen kann.