Dienstag, 14. Dezember 2010

Freundschaft


Gibt es etwas Beglückenderes, als einen Menschen zu kennen mit dem man sprechen kann wie mit sich selbst?
Könnte man höchstes Glück und tiefstes Unglück ertragen, hätte man niemanden, der daran teilnimmt? Freundschaft ist vor allem Anteilnahme und Mitgefühl!

Marcus Tullius Cicero


Freundschaft


Schon in jungen Jahren sehnen wir uns nach einer Freundschaft. Wir haben ein intuitives Gefühl dafür, wer der Richtige sein könnte. Wir lassen dann keine Gelegenheit aus, uns ihm zu nähern. Wir laden ihn zum Geburtstag ein, schlagen ihm gemeinsame Spiele vor, und ganz plötzlich sind zwei junge Menschen unzertrennlich. Und wenn das Schicksal sie nicht trennt, durch Umzug oder Ähnliches, wachsen sie immer intensiver zusammen. Man erzählt sich alle Details, ganz besonders wenn man dann in die Jahre der Pubertät kommt, man hat nicht die geringste Scham voreinander. Man informiert sich über den Fortschritt ohne irgendwelche Hintergedanken, indem man die gerade heranwachsenden feinen kleinen Schamhaare präsentiert. Jedoch ist man immer noch kindlich genug und lässt sich auf einen kleinen Wettstreit ein, bei dem man unbedingt wissen will, wer am weitesten pinkeln kann. Aber wenn dann die Zeit des Berufslebens kommt, kann es schon passieren, dass die Freunde auseinandergerissen werden. Dennoch, es ändert sich gar nichts daran, wenn sich die Gelegenheit ergibt, das man wieder miteinander zusammen sein kann, ist alles wie am ersten Tag
Eine sehr kritische Probe für die Freundschaft, ist die Liebe. Da gibt es die verschiedensten Gründe, die Freundin ist eifersüchtig auf die intensive Freundschaft, gerade dann, wenn der Freund ihr nicht gefällt. Der wird es dann zu spüren bekommen, sie zeigt ihm die kalte Schulter und versucht ihrerseits ihren Freund zu beeinflussen, die Freundschaft aufzugeben. Sie erinnert sich genau, dass sie mit ihrer Freundin alle Intimitäten austauscht und fürchtet daher, dass dieser Freund wiederum mit ihrem Freund spricht über sie und ihren Freund in irgendeiner Form gegen sie beeinflusst oder sie schlecht macht. Das sind kritische Zeiten für eine Freundschaft. Aber es geht natürlich auch andersrum, der sonst so loyale Freund entwickelt plötzlich die Maxime: Freund hin, Freund her, aber wenn es um die Liebe geht, gibt es keine Rücksichten. Trotzdem versuchen gute Freunde Klarheit zu schaffen: " Damit das ein für alle Mal klar ist zwischen uns, meine Freundin ist für dich tabu".
Und am Ende beweist eine gute Freundschaft, dass sie unzerstörbar ist.
Wenn man durch irgendwelche Schicksalsschläge seinen Jugendfreund verloren hat, ist es als Erwachsener gar nicht so leicht eine neue Freundschaft aufzubauen. Mit der Zeit haben wir alle ein paar eigenwillige Eigenschaften entwickelt, die eine Anpassungs Fähigkeit erschweren. Aber wenn wir in der Lage sind, hier und da zurück zu stecken, ist es gut möglich, auch als Erwachsener eine neue Freundschaft zu erleben.
Mit der Freundschaft ist es oft wie in der Liebe. Es gibt Liebesverhältnisse, die mit der Intensität eines Vulkanausbruchs beginnen. Da Treffen zweier aufeinander, die mit hemmungsloser Energie ineinander verschmelzen. Das geht vielleicht 2, 3 Tage so und dann entdeckt er oder sie, dass der Partner verschwunden ist; und das Interessante ist die Erkenntnis, man ist gar nicht enttäuscht, man fragt sich plötzlich, was haben wir mir nur die ganze Zeit gemacht, worüber haben wir eigentlich geredet?
Mein Gott, man stellt fest, außer dem Vornamen weiß man gar nichts voneinander. Wenn man dann irgendwann diese Person wieder trifft, ist man überhaupt nicht interessiert, den Kontakt noch einmal aufzunehmen. Im Gegenteil fragt man sich: Um Gottes willen, mit dem habe ich einmal geschlafen?

Verglichen damit gibt es Freundschaften, bei denen zwei aufeinandertreffen, die sich fantastisch verstehen. Mit Freunden in der Kneipe. Und dann ist da jemand, dem man zu prostet und der reagiert mit pfiffigen Bemerkungen und man reagiert zurück, stellt fest, wir müssen uns mal näher unterhalten, man rückt zusammen, spricht über Gott und die Welt, endlich ein Mensch, von dem man verstanden wird. Man hat einen Freund gewonnen und am Ende des Abends verabschiedet man sich herzlich, umarmt sich mit Schulterklopfen der Andere meint: " Man, schön dich getroffen zu haben, wir müssen unbedingt etwas miteinander unternehmen. Klar man, darauf kannst du einen lassen. Ich ruf dich an!".... Und, ruft er?

Eine Freundschaft, die der Wein gemacht, wirkt wie der Wein nur eine Nacht.

Fiedrich von Logau


Und dann irgendwann trifft man einen Menschen, vielleicht auf einer Party, bei dem man am aller wenigsten damit rechnet, dass es einmal eine Freundschaft werden könnte. Und ganz nebenbei erwähnt man, dass man gar nicht auf dieser Party sein dürfte, weil zuhause ein Haufen Arbeit wartet; der Hauswirt fordert das die Wohnung renoviert wird! Es ist ein ganz kurzes Gespräch, dass man mit diesem Menschen hat und doch passiert es, dass er am nächsten Tag vor der Tür steht und ganz selbstverständlich fragt, was kann ich denn tun, ich habe mein Arbeitskittel dabei. Und das eigentümliche wiederum ist, man ist gar nicht überrascht, man drückt ihm den Pinsel in der Hand, ist erstaunt über seine Geschicklichkeit, frag nach seinem Beruf, und stellt fest, dass er einen kluger Mensch mit fundierten Meinungen ist. Nach der Arbeit trinkt man gemeinsam einen Kaffee, er räumt das Geschirr ab, alles wie selbstverständlich. Er stellt persönliche Fragen, er ist kritisch gegen sich selbst und wenn dann in einem Gespräch eine längere Pause eintritt, hat man nicht das Gefühl, dass man unbedingt was sagen muss. Er verlässt dich, ohne überzogene Emotion, hinterlässt seine Telefonnummer mit der Bemerkung: " Ruf mich unbedingt, wenn es brennt!"
Aus einer solchen unerwarteten Gelegenheit kann sich eine Freundschaft entwickeln, die ein ganzes Leben lang hält. Einem solchen Freund kann man ohne großes Risiko auch die Meinung sagen, solange man seine Persönlichkeit respektiert.

Man kommt in der Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen.
Jean de La Bruyére

Diese Freundschaft übersteht Entfernungen und Zeiten; sie ist unzerstöbar. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, sie ist eine Seltenheit. Und wenn Du einmal auf eine solche Freundschaft triffst, pflege sie, wie eine seltene Blume.

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