Donnerstag, 23. Dezember 2010

Frieden auf Erden

Die Glocken läuten, der Christbaum erstrahlt im hellen Licht, Weihnachten. "Herr schenk uns Frieden", so bittet der Pastor auf der Kanzel. Ist der Mensch denn überhaupt friedensfähig ? Der Zustand, daß niemand niemandem etwas neidet, niemand von niemandem etwas begehrt.
Ist er bei der Urveranlagung des Menschen überhaupt
denkbar? Ist nicht für den Menschen die Annäherung an den Frieden gleichzusetzen mit der Annäherung an den Tod? Ist der Friede der Tod selbst?
Die sakrale, feierliche Stimmung eines Gottesdienstes hat für mich vieles von einer Beerdigung. Der Friede, der hier gesucht wird scheint mir ein emotionsloser, bewegungsloser Zustand der Erstarrung zu sein.
Eine Frage:
Soll der Mensch ohne Freude leben.
Freude braucht Bewegung um sich auszudrücken; Bewegung des Geistes und des Körpers. Am Rande der Freude aber lebt der Übermut, das spitze Wort, das böse Wort. Freude bewegt Misgunst, Misgunst stiftet Unfrieden.
Soll der Mensch ohne Freude leben?
Wir alle sprechen vom Frieden auf Erden.
Wir alle wollen den Frieden auf Erden.
Wohlbemerkt, auf Erden; nicht unterer der Erde.
Von welcher Art ist denn nun unser Friede?
Wollen wir Frieden, weil man uns in Ruhe lassen soll. Niemand soll unsere Kreise stören.
Niemand soll etwas von uns begehren, verlangen, uns angreifen weil wir nicht geben, abgeben wollen?
Heist Friede, daß diejenigen, denen es schlechter geht als uns auch friedlich bleiben sollen oder
gar müssen, nicht begehrlich blicken auf uns oder
verlangend fordern?
Ist unsere Forderung nach Frieden nichts weiter als
der Wunsch, Ungleichheit und Ungerechtigkeit unter das Motto "Gottes Wille" zu stellen?
Nein, nein und nocheinmal nein höre ich.
Das alles haben wir nicht gemeint.
Das alles haben wir nicht gewollt.
Der Friede, den wir meinen ist etwas Gutes.
Die Menschen sollen versuchen einander zu verstehen, einander helfen, sich tolerieren. Wie soll das gehen? Es gibt nun einmal soviele unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Glaubensrichtungen.
Alle sind
stolz auf IHRE Kultur
stolz auf IHRE Sprache
stolz auf IHRE Religion.
Sie wollen sich da nicht reinreden lassen.
Heist Friede am Ende wirklich nur in Ruhe lassen?
"Herr schenk uns Frieden", so bittet der Pastor auf der Kanzel.
Ist der Mensch denn überhaupt friedensfähig?

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