Samstag, 26. April 2008

Faulheit

Das ist ein ganz fauler Hund.

Wer hat das nicht schon einmal von sich gegeben. Obwohl, wieso sprechen wir eigentlich vom faulen Hund. Und dann dieses Wort Faulheit, eines der Worte, die wir hin und wieder gerne verwenden, ohne darüber nachzudenken ob wir sie auch hinreichend genau definieren können. Wir sind einfach der Meinung, wir wissen genau, was das Wort bedeutet.

Aber die Sache mit dem faulen Hund zum Beispiel, der liegt also in der Sonne, streckt alle Viere von sich, und tut gar nichts. Was aber erwarten wir von ihm? Soll er sich die Zeit mit Strümpfe stricken vertreiben oder beim Kaminholz stapeln helfen?

Das kann er doch gar nicht, er ist ein Hund. Und außerdem ist er nicht faul, sondern er sammelt Kraft und ruht sich aus. Ein wirklich fauler Hund wäre er, wenn er zu faul wäre zu fressen und er nur fressen würde, wenn wir ihm das Futter und den Napf bringen. Aber Hunde sind häufig weitaus vernünftiger als ihr Frauchen, das isst auch schon einmal, ohne dass es unbedingt Hunger hat. Der Hund dagegen ist vernünftig und frisst nur wenn er Hunger hat.

Aber ich will nicht zu sehr ins Philosophische vordringen und die Dinge mehr von der praktischen Seite sehen. Denn, über Faulheit und Fleiß ist schon sehr viel geschrieben worden und das ist kaum noch zu toppen.

Da ist die alte Erkenntnis; Müßiggang ist aller Laster Anfang. Und da ist natürlich was dran. Aber es gibt auch diese Faulheit, die auf einer tief verwurzelten Anspruchslosigkeit beruht.

Die Faulheit wurde aus christlicher Sicht sicher auch zu den Lastern gerechnet, weil sich die Gesellschaft, nicht ganz ohne egoistischen Hintergedanken, davor schützen wollte die Untätigen mit durchzufüttern, solange sie in der Lage sind für sich selbst zu sorgen.

Von denen, die hilflos sind und nicht für sich selbst sorgen können, will ich in diesem Fall gar nicht reden.

Neuerdings rückt allerdings eine Gruppe ins Rampenlicht, die vom inneren Antrieb her nicht faul ist, der aber die Gesellschaft keine Tätigkeit übrig gelassen hat. Das Problem dabei ist, dass es der Gesellschaft grundsätzlich schwer fällt ihnen den Status "hilflos" zuzuerkennen. Wir vergeben die Arbeit an die Maschinen. Die Maschinen haben aber kein Gefühl für soziale Verantwortung. Das menschliche Leben ist von Natur aus auf Wettbewerb ausgerichtet, also Wettbewerb unter Menschen; aber im Wettbewerb mit der Maschine hat der Mensch keine Schance.

Und was fangen wir in solch einem Fall mit dem Spruch "ora et labora an?" da bleibt am Ende für die Betroffenen doch nur noch die Möglichkeit zu beten und da das auf die Dauer nichts hilft, müssen Sie bitten, bitten, dass die Gesellschaft sie nicht verkommen lässt.

Die wirklich Faulen sind wohl eher diejenigen, die voll im Saft stehen, eine zumutbare Arbeit angeboten bekommen, sie unter fadenscheinigen Argumenten ablehnen und sich unter Ausnutzung aller sozialen Gesetzeslücken durchs Leben schlagen, ohne einen Finger zu krümmen und sich dessen dann noch rühmen. Das sind die echten Parasiten.

Zum Abschluss noch ein Wort, ein Dankeschön an diejenigen Faulen, deren Faulheit dazu geführt hat, Dinge zu entwickeln und zu erfinden, die uns das Leben erleichtern. Sie sind der Beweis dafür, dass Faulheit auch konstruktiv sein kann und daher sind sie mir besonders sympathisch.

Ehe ist....

Ehe ist: Ein Drama ohne Regisseur
Ehe ist: Wenn ohne Liebe gar nichts geht
Ehe ist: Ein Schiff, das ständig den Kurs wechselt, weil beide Kapitän spielen wollen.
Ehe ist: Beide wollen das Beste; die Scheidung.
Ehe ist: Ein lebenslanger Laborversuch ohne wissenschaftliche Betreuung.

Freitag, 11. April 2008

Gedanken über Neid und Missgunst

Neid und Missgunst, wem sind sie im Leben nicht schon begegnet. Sehr häufig, wenn uns etwas Besonders gut gelungen ist sind wir auch begierig nach Anerkennung, sehr häufig warten wir auch auf ein Lob; aber, es wird uns versagt. Gerade dann, wenn wir besonders hungrig nach einem Lob sind, verweigert man es uns und wir fragen uns dann woran es wohl liegen mag?

Einer der plausibelsten Gründe: Wir haben etwas geschafft und getan was schon längst fällig war, was einer geringen Anstrengung bedurfte und was unsere Umwelt mit der größten Selbstverständlichkeit täglich und zum wiederholten Male getan hat. Kurz gesagt, niemand kommt auf die Idee das soeben Getane oder Erledigte als eine herausragende, lobenswerte Leistung zu sehen.

Das scheint im ersten Augenblick durchaus vernünftig und richtig, aber manchmal versäumen wir es genauer hinzusehen. Nicht alles was der eine oder andere mit Links und ohne große Anstrengung erledigen kann, können andere mit der gleichen Leichtigkeit.

Wenn z. B. ein Behinderter unter großen Anstrengungen Geschirr gespült hat, so kann das durchaus eine lobenswerte Leistung sein. Wo also sollen wir den Maßstab finden.

Nun, dies ist ein besonders krasser Vergleich gewesen, ich denke, bei unseren Kindern finden wir dann schon eher anschauliche Beispiele. Wenn zum Beispiel der kleine Robert zum ersten Mal einen vernünftigen Satz spricht, sind wir mit Sicherheit bereit ein großes Lob auszusprechen, um ihm zu beweisen dass er in seiner Situation etwas Besonderes geleistet hat. Ja wir sind sogar bereit ihn über alle Maßen zu loben. Wir tun das mit der größten Selbstlosigkeit. Wie so aber fällt es uns in so einem Fall so leicht? So hässlich es klingen mag, aber der Kleine ist für uns keine Konkurrenz, er kann uns mit seiner Fähigkeit auf keinen Fall in die Quere kommen.

Wer aber bringt es schon fertig in Gegenwart seines Chefs einen gleichrangigen Kollegen zu loben und dessen Fähigkeiten herauszustellen.

Bestenfalls sind wir vielleicht bereit zu der Erklärung: Der Kollege Meier hat die Sache gar nicht schlecht erledigt, sollte sich aber dringend bemühen in der und der Angelegenheit etwas aufmerksamer zu sein. Es wird gelobt, aber schnell mit einer Einschränkung. Warum tun wir das? Immer da wo uns eine direkte Konkurrenz droht, sind wir sehr zurückhaltend und vorsichtig mit einem Lob, sogar wenn wir feststellen, jemand ist uns weit überlegen. Das können wir auf keinen Fall eingestehen, wir würden ja unser eigenes Selbstwertgefühl schmälern. Wenn jemand marginal besser ist, kann man das schon mal lobend erwähnen, aber auf keinen Fall, wenn er um Klassen besser ist. Warum ist das wohl so? Unser Verhalten weist immer wieder darauf hin, dass wir unser ganzes Leben lang mit unserer Umwelt konkurrieren wollen, müssen oder können. Es ist ein harter, stiller, zäher und oft verzweifelter Kampf, bei den wir uns oft vor uns selbst rechtfertigen mit: Wenn ich... ... Dann hätte ich sicherlich auch. Und wir haben immer eine Unzahl von "wenn ich's" auf Lager.

Grundsätzlich gilt wohl: Wir sind durchaus in der Lage zu loben, wenn derjenige, den wir loben für uns überhaupt keine Konkurrenz ist und uns nicht in die Quere kommen kann. Dabei ist der örtliche Abstand durchaus manchmal auch hilfreich. Schwierig wird es immer dann, wenn uns jemand mit seiner Leistung nahe kommt oder anders gesagt, aus unserem näheren oder nahen Umfeld kommt. Da besteht immer die Gefahr, dass er uns gegenüber herausgehoben wird und das können wir nicht oder nur schwer ertragen.

Natürlich ist dies eine uralte Erkenntnis, nichts Neues, der Prophet gilt eben nichts im eigenen Land.

Wenn aber jemand spontan die Anerkennung einer großen Masse findet, dann wird es nicht einfach sein für den einzelnen, demjenigen die Anerkennung zu verweigern, denn in diesem Fall würde er sich öffentlich als Neidhammel zu erkennen geben. Er würde sich also outen, dann würde er sich lieber verbiegen und wahrscheinlich mit den Wölfen loben.

Solange wir uns als Konkurrenten im Leben sehen um einen Posten um Anerkennung und Erfolg, wird sich daran wohl nichts ändern. Die Frage ist doch für uns nur, wie werden wir damit fertig, wenn gerade unsere nähere Umgebung uns die Anerkennung versagt?

Eine Antwort darauf wäre wohl, wir müssen unseren Ehrgeiz zügeln, das ständige Bemühen aus der Masse heraus zu ragen. Wir sollten alles, was wir anfassen und tun lediglich so gut wie es uns möglich ist tun, und nicht als allererstes danach streben mit dem, was wir tun Anerkennung zu finden. Wenn es wirklich gut ist, wird es sich mit der Zeit behaupten. Die einzige Frage ist, ob das noch zu unserer Zeit geschieht. Wir sollten also nicht nach der Anerkennung für unsere Arbeit streben, sondern nur danach streben Erfüllung und Freude in unserer Arbeit zu finden.

Gut gebrüllt, Löwe, sage ich zu mir selbst, dennoch habe ich Probleme die Erkenntnisse meiner Überlegungen in die Praxis umzusetzen. Aber ich bin voller Hoffnung.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Hochhäuser, Beton und Co


In einer Wirtschaftssendung des Zweiten Deutschen Fernsehens ging es um das Thema: Steigende Nebenkosten bei der Miete.

Als Beispiel wurde ein Rentnerehepaar gezeigt, das in einem Hochhaus wohnt und feststellen muss, dass die Nebenkosten so hoch angestiegen sind, dass das Paar sich gezwungen sieht, die Wohnung aufzugeben.

Vorher tastete die Kamera an der Fassade des Hochhauses hoch, in dem dieses Ehepaar lebt, und der Sprecher machte so ganz beiläufig die Bemerkung, dass dieses Hochhaus architektonisch keine Augenweide sei. Wohl bemerkt ein sauberes Haus mit klaren Linien und grossen Balkonen.

Ich fand, dass im Zusammenhang mit dem Thema dieses Berichtes, die Bemerkung völlig unerheblich und unwichtig war.

Und dennoch wurde sie gemacht, und das ist der Punkt an dem ich mich reibe. Immer wieder werden von Presse und Rundfunk, pauschal und undifferenziert, in irgendeiner Form abfällige und herabsetzende Bemerkungen über Hochhäuser gemacht.

In diesen Berichten werden ständig die schmückenden Attribute Beton, Plattenbau, hässlich, anonym, einsam verwendet und das mit monotoner Einfallslosigkeit.

Das interessante daran ist, dass beispielsweise das Ehepaar in dem oben erwähnten Hochhaus betonte, dass es die Wohnung nur ungern verlässt, weil es sich dort sehr wohl fühlt.

Und da fragt man sich natürlich als Betrachter, wie können Sie sich in diesem Haus, mit einer solchen Fassade wohl fühlen? Kann es daran liegen, dass dieses Ehepaar in dem Haus und nicht vor dem Haus wohnt?

Es steht ausser Zweifel, dass die Hochhäuser nicht den Charme eines barocken Schlosses haben. Aber sie bieten dem Bewohner alle Voraussetzungen dazu, sich ein wohnliches Zuhause einzurichten, was man von manchem schönen Schloss sicher nicht immer sagen kann, denn ob es dort im Winter immer gemütlich warm war, wage ich zu bezweifeln.

Wieso beurteilt man Hochhäuser nur nach der Fassade und am Ende nicht danach, wie sich die Menschen dort fühlen. Jedenfalls sind die nicht begeistert, wenn sie hören müssen, dass irgendwelche Schlauberger ihnen einreden wollen, dass sie dort, wo sie wohnen, auf keinen Fall glücklich sein können. Sie lassen sie zurück mit dem Gefühl, in einer menschenunwürdigen Wohnung zu leben. Letztenendes diskriminieren sie sie. Wer glaubt, auf seine gesellschaftliche Einordnung Rücksicht nehmen zu müssen, kann es sich nicht erlauben, in ein solches Haus einzuziehen. Da zieht man dann doch lieber in eine Altbau-Jugendstil Wohnung. Dabei beweist man Geschmack und Stil.

Eigentümlicher Weise habe ich noch nie eine abfällige Bemerkung über die einfallslose Monotonie beim Bau von Reihenhäusern gehört. Neuerdings werden sie auch aus Betonfertigteilen hergestellt und dann tapeziert man sie an der Aussenfassade mit Backsteinen. So lässt sich leben, schon ist das Haus wohnlich.

Die Diskriminierung von Hochhäusern fördert sicher auch den Wunsch nach einem Eigenheim, das in der Reputation weitaus höher steht, als eine Eigentumswohnung.

Hauptsache ein eigenes Haus, auch wenn es ein Reihenhaus ist. Anstatt dafür zu sorgen, dass man die Qualität von Hochhäusern verbessert, sie intern schalldicht macht und den Wohnkomfort erhöht, diffamiert man sie. Hochhäuser könnten durchaus eine hohe Lebensqualität besitzen. Man kann den Wohlfühlwert durch die Integration von Bädern, Sauna, Gemeinschaftsraum und begrünten Dachterrassen erhöhen. Da sie eine geringe Grundfläche verbrauchen, kann man sie mit kleinen Parkanlagen umgeben.

Im Gegensatz dazu verbauen wir mit vielen kleinen Eigentumshäusern die Grundfläche und zersiedeln das Land. Bis wir eines Tages nur noch ein paar Grünflächen für den Ackerbau haben, die in Notzeiten nicht ausreichen um die Bevölkerung autark zu ernähren.

Eines Tages werden wir nicht einmal Platz für eine kleine Parkanlage haben, aber dafür hat man dann sein kleines Handtuch von Garten hinterm Haus in dem man, wie in einem Gefängnishof, auf und abgehen kann.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Rundfunkgebühren

Ein Thema, dass die Öffentlichkeit immer wieder bewegt, und das ganz besonders gern auch von den Parteien geschürt wird, ist die Frage: Sind die Rundfunkgebühren nicht viel zu hoch?

Immer wenn ich das höre, bin ich erstaunt über die rührende Sensibilität der Parteien, die sich so unglaublich intensiv und engagiert dafür einsetzen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf jeden Fall klein gehalten wird. Ich frage mich dann, ist deren Sorge um das Wohl der Bürger tatsächlich ernst gemeint. Wenn es darum geht die Rundfunkgebühren um 0,50 € zu erhöhen zeigen sie ein Engagement, das mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Es scheint ein Thema zu sein, bei dem sich alle Parteien absolut einig sind. Es ist so, als ob es ihre größte und vorrangige Pflicht und Aufgabe ist, die Bürger vor solchen unverschämten Gebührenerhöhungen zu schützen. Wenn man Ihre Bemühungen auf diesem Gebiet ins Verhältnis setzen würde, dann würde es sicherlich vielen Hartz IV Empfängern wesentlich besser gehen.

Die Frage, die man sich aber stellen muss ist, geht es den Parteien wirklich darum den Bürger davor zu schützen, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihnen den letzten Groschen aus der Tasche ziehen oder steht dahinter vielleicht ein nicht ganz selbstloses Eigeninteresse.

Ich meine, den Parteien würde auf jeden Fall ein schwacher, abhängiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk sehr gefallen. Dadurch, dass bei jeder Rundfunkgebührenerhöhung die Politiker ein Wörtchen mitzureden haben, nehmen sie indirekt Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und das Fernsehen.

Die einzelnen Intendanten können sich sicherlich nicht immer davon freimachen ein, wie auch immer geartetes, Wohlverhalten zu zeigen. Bei der Gründung der Bundesrepublik war es aber ein eindeutiges Ziel, die Politik unbedingt aus den Funkhäusern herauszuhalten. Dennoch ist es den Politikern gelungen, den einzelnen Funkhäusern immer wieder die Farbe ihrer Partei aufzuzwingen. Insofern sind sie natürlich dagegen, wenn sich Rundfunk und Fernsehen von politischen Einflüssen trennen wollen und trennen.

Die Bürger lassen sich immer wieder durch das geschickte Verhalten der Politiker in Sachen Rundfunkgebühren Sand in die Augen streuen.

Aber wir dürfen nie vergessen, dass eine Demokratie nur bestehen kann, wenn sie einen völlig unabhängigen Rundfunkapparat besitzt. Rundfunk und Fernsehen, sofern sie ihre Unabhängigkeit in Anspruch nehmen und durchsetzen, sind allein in der Lage als regulierendes Instrument in einer Demokratie zu arbeiten. Sie sind in der Lage Missstände aufzuzeigen und auch beim Namen zu nennen, was in den meisten Fällen nicht unbedingt im Interesse der Freien Sendeanstalten geschehen kann, da sie auf die Auftraggeber ihrer Werbeverträge Rücksicht nehmen müssen.

Und damit sind wir beim Thema Werbung. Es mag ja sein, dass es allen, die beispielsweise das Fernsehen nur als einen Unterhaltungslückenbüßer des Abends sehen, völlig egal ist wie oft ein Spielfilm unterbrochen wird. Mich aber nervt es so, dass ich auf jeden Fall sofort wegzappe, wenn die unsensibel und brutal einsetzende Werbung kommt.

Die freien Fernsehanstalten müssen Geld verdienen, aber dann soll man doch bitte nicht so tun, als ob ihre Programme uns nichts kosten. Man führe sich nur einmal die hohen Gebühren vor Augen, die die Auftraggeber beim Sender für das Einspielen einer Werbung bezahlen müssen. Danach sollte man sich mal fragen, bezahlt das alles der Auftraggeber aus der eigenen Tasche? Ist es nicht so, dass am Ende wir, die Kunden dafür bezahlen müssen, dass der Hersteller für sein Produkt wirbt. Wir bezahlen indirekt für die Programme der privaten Sender, indem wir durch die massive Werbung verteuerte Produkte kaufen. Und hier bezahlt auch das berühmte Lieschen Müller die höheren Produktkosten, sogar wenn sie die Werbung nicht sieht.

Ich will nicht über Sinn und Zweck der Werbung diskutieren, nur feststellen, das es doch eine Utopie ist zu glauben die privaten Sender würden uns nichts kosten.

Es ist die vorrangige Pflicht und Aufgabe unserer Politiker alles zu tun, das Wohl und den Erhalt des Staates zu sichern und zu fördern. Und daher empört es mich besonders, wenn die Parteien, um gewählt zu werden, sich schützend vor die Bürger stellen, während sie ihnen gleichzeitig auf anderen Gebieten brutal in die Tasche greifen.

Grundsätzlich meine ich, die öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehanstalten sind gezwungen genauso wirtschaftlich zu denken wie ein Wirtschaftsunternehmen. Wirtschaftsunternehmen aber bestimmen ihre Kalkulation selbst.

Wieso kommt eigentlich kein Politiker auf die Idee, den Volkswagenwerken vorzuschreiben, was ein VW kosten darf?

Samstag, 12. Januar 2008

Wird schon gut gehen


Mit Sicherheit haben es auch Generationen vor uns schon behauptet: Diese Welt ist krank, ihre Bewohner sind krank, wir alle sind krank. Ich denke wir haben den Überblick verloren und es sieht nicht so aus, als ob wir ihn jemals bekommen werden. Wir sind randvoll vollgestopft mit Information, angefüllt mit einem unglaublichen Wissen nicht nur über uns, unsere nähere Umgebung, auch über die ganze Welt. Und doch gehen wir unbeeindruckt stur unseren Weg und blicken nicht rechts und links. Wir nehmen zur Kenntnis und haken ab. Da kann man nun mal nichts machen. Dass ist der Lauf der Welt, dass ist seit Jahrhunderten so und ich, der Einzelne, kann schon gar nichts bewirken.

Jawohl, ich mache es genauso.

Immer wenn ich im Bett liege, satt und wohlig warm unter der Decke, dann denke ich: Man müsste etwas unternehmen, Einfluss nehmen, die Welt verändern. Den Mitbürgern klarmachen, es ist mindestens fünf vor 12 ist.

Wir haben das gesamte Wissen, wir haben die Möglichkeiten und wir haben sogar die Mittel diese Welt zu befrieden, aber wir kriegen es nicht gebacken. Und wir schauen tatenlos zu, wie die Welt in die Katastrophe schliddert.

Wir könnten das verhindern! Aber wie, wie?

Wir sind alle Egoisten. Da ist der persönliche Egoismus, da ist der nationale Egoismus, da sind die religiösen Egoismen, da sind die rassistischen Egoismen. Es ist nicht so, dass niemand weis, was zu tun wäre um die vielen Konflikte in den Griff zu bekommen.

Wer aber soll den Anfang machen? Und wenn man schon den Anfang macht, werden die Anderen folgen? Am Ende geht es immer um die nationale Sicherheit und die muss verteidigt werden, wir sind nun einmal eine Spezies, die nur in kämpferischen Kategorien denken kann. Wir kämpfen immer, das ganze Leben ist ein Kampf, wir kämpfen um den Arbeitsplatz. Wir kämpfen für unseren Glauben, wir kämpfen um unseren guten Ruf, die Politiker kämpfen um die Gunst der Wähler. Wir kämpfen sogar beim Sport, der ja eigentlich nur ein Wettbewerb sein sollte, aber bei uns ist das ein Wettkampf. Wir finden das alles ganz normal, und daher kriegen wir die Begriffe auch gar nicht mehr auseinander. Wir können nicht friedlich denken.

Natürlich müssten wir bei uns selbst anfangen. Viele sind bereit dazu; Hallo Nachbar , ich möchte gern etwas unternehmen, aber allein schaffe ich es nicht. Machst du mit? Du zögerst? Du findest die Idee gut, glaubst aber wir zwei, wir sind zu Wenige und was ist wenn uns keiner folgt? Das Risiko willst du nicht eingehen. Es müsste schon Mehrere sein? Ach so, wenn es eine größere Gruppe gäbe würdest du dich anschließen, aber die müsste dann schon ganz schön groß sein, denn sonst kommen wir gegen die Großen nicht an.

Und so setzen wir unser Vertrauen in die da oben, obwohl wir wissen, dass auch die keinen Überblick haben. Vor allem, dass sie keinen Mut haben einschneidende, grundsätzliche Entscheidung zu fällen. Denn auch sie fragen sich, ob wir, ihre Wähler, ihnen dann folgen würden, auch wenn es unangenehme Entscheidungen wären. Und dazu fehlt ihnen der Mut, vielleicht zu Recht, vielleicht würden wir sie im Stich lassen. Und da wollen sie kein Risiko eingehen, schließen Kompromisse, Kompromisse vom Kompromiss, Kompromisse vom Kompromiss der Kompromisse. Schließlich wollen sie ihren Job behalten. Warum sollen ausgerechnet sie gehen, wenn man doch nichts ändern kann?

Und das alles in einer Zeit des technischen Fortschritts, der uns gigantische Möglichkeiten bietet.

Aber was nützt es, wenn wir technisch im einundzwanzigsten Jahrhundert sind aber geistig im 16. Jahrhundert zurückgeblieben sind. Da wir keine Lösung für die so kompliziert gewordene Welt haben, flüchten wir uns wieder in die Religion.

Auf den lieben Gott ist Verlass. Er hatt immer ein Auge auf uns, er wird es schon richten.

Sonntag, 6. Januar 2008

Katastrophen

Was ist eigentlich los mit uns? Sind wir Optimisten, Ignoranten oder Stoiker? Seit einiger Zeit versuche ich mir diese Frage zu beantworten. Das ist gar nicht so einfach. Aber wie komme ich darauf?

Ich habe den Eindruck, dass in der letzten Zeit die Bedrohungsszenarien und Katastrophen sich geradezu logarithmisch häufen. Wir werden eingedeckt mit Meldungen über Erdbeben, Tsunamis, Überflutungen, Hurricanes, und Epidemien. Uns wird die ständig drohende Gefahr von unkontrollierbaren Seuchen, die wir medizinisch noch nicht beherrschen, vor Augen geführt. Ganz zu schweigen von der schon vorhandenen realistischen Bedrohung durch Aids.

In medizinischen Sendungen werden wir ständig darüber informiert, dass Rauchen, Alkohol und Drogen für uns gefährlich sind und dass uns täglich die Diagnose Krebs ins Haus stehen kann. Die täglich drohende Gefahr der radioaktiven Verseuchung, der Verunreinigung unserer Atemluft durch Feinstaub und die uns immer bedrohenden Gefahren beim Autoverkehr schieben wir schon locker in die Schublade: So ist nun mal das Leben.

Mit realistisch wirkenden Computersimulationen werden uns die katastrophalen Auswirkungen der jederzeit möglichen Meteoreinschläge vor Augen geführt.

Natürlich darf bei dieser Betrachtung die Klimakatastrophe nicht vergessen werden. Die Eiskappen schmelzen ab, der Meeresspiegel soll bis auf sieben Meter ansteigen. Da habe ich mir sofort eine Landkarte besorgt um die Höhe meines Standortes über Meeresniveau herauszufinden. Über 80 m. Schwein gehabt. Da bin ich aber beruhigt.

Aber all die anderen Bedrohungen machen mir Kopfschmerzen. Es sind einfach zu viele Gefahren. Die in weiter Ferne liegenden Katastrophen schiebe ich schon weit von mir, da ist die Sache mit dem Mond, der sich mit der Zeit immer weiter von der Erde entfernt. Und was wird, wenn er nun gar keinen Einfluss mehr nimmt auf das stabile Verhalten der Erdachse, was um Gotteswillen, wenn sie ins Wanken gerät. Da bin ich froh, dass ich 77 bin, ich glaube das will ich nicht mehr erleben.

Und die Sonne, wer denkt heute schon an die Sonne, aber ich sage euch Leute, eines Tages wird sie in sich zusammenfallen und dann wird sie zum Roten Riesen und es wird es garantiert ungemütlich auf der Erde.

Jetzt, wo ich mir alle diese Bedrohungen vor Augen geführt habe, fühle ich mich erstaunlicherweise erleichtert. Eigentlich kann man sie gar nicht ernst nehmen, es sind ihrer einfach zu viele.

Die Frage, die ich am Anfang gestellt habe, ob wir Optimisten, Ignoranten oder Stoiker sind, muss ganz anders beantwortet werden:

Wir sind wohl eher Verdrängungsspezialisten!

Ich bin inzwischen hungrig geworden und daher beschränken sich meine augenblicklichen Ängste auf die Frage: Kann ich vor dem nächsten Meteoriteneinschlag noch etwas essen ?

Katastrophen lassen sich mit vollem Magen besser verkraften.