Wir Menschen sind wohl die einzige Spezies auf dieser Erde, die sich den Luxus erlauben kann nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Aber wieso stellen wir uns eigentlich diese Frage? Warum fragen wir nicht gleich nach dem Sinn des Universums?
Liegt es daran, dass wir uns für so außergewöhnlich und wertvoll halten? Liegt es daran, dass wir uns bewusst sind, dass wir die führende Spezies auf diesem Planeten sind und dass wir, die Auserwählten, auch wissen müssen warum wir auserwählt wurden ?
Liegt es daran, dass wir nicht Werkzeug sein möchten von irgend wem oder irgendwas, das mit unserer Hilfe seine Ziele verfolgt und uns dazu missbraucht? Glauben wir ein Anrecht auf die Beantwortung dieser Frage zu haben?
Ich meine nein.
Anstatt nach dem Sinn des Lebens zu fragen, sollten wir unsere Sinne sensibilisieren für die Erkenntnis der Einmaligkeit unseres Daseins auf diesem Planeten Erde. Dafür dass es uns erlaubt ist, dass wir privilegiert sind, für eine kurze Spanne in der Unendlichkeit dieses Universums Zeuge sein zu dürfen für alle die fantastischen Erscheinungen und Wunder die uns täglich umgeben.
Wir sind zwar nicht gefragt worden, ob wir an diesem Leben teilnehmen wollen oder nicht, aber da wir nun einmal da sind, sollten wir es als ein einmaliges Geschenk ansehen, fantastisch und unwiederbringlich.
Wir sind gezwungen zu leben, wir haben gar keine andere Wahl, und daher ist es sinnlos nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Oft wird argumentiert, wir hätten doch die Wahl zu leben oder nicht zu leben. Ich halte das für ein Scheinargument, denn wenn wir ehrlich sind, und solange wir einigermaßen gesund sind und im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte, wird sich unser ganzes Sein dagegen wehren, unserem Leben ein Ende zu bereiten. Für diejenigen, die sich in einer Situation der Verzweiflung und der Aussichtslosigkeit befinden und zur Selbsttötung greifen, stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens sowieso nicht mehr.
Gerade aber erleben wir, wie sich Menschen, religiös oder politisch verführte Menschen, selbst töten und den Sinn ihres Lebens darin sehen unschuldige Menschen zu töten nur um ihre religiösen und politischen Ideen durchzusetzen, und um dann mit dem Paradies belohnt zu werden. So gesehen, ist es nicht einmal ein selbstloses Opfer, sondern eine perfide Verdrehung der Prinzipien des Lebens.
Die Natur hat uns einen so unglaublich starken Lebenswillen gegeben, dass es für uns außer Frage steht, Hand an uns zu legen, bevor uns ein Schicksalsschlag vernichtet. Wie stark dieser Wille zu leben ist, das zeigt sich ganz besonders, wenn unser Leben in Gefahr ist.
Um es noch einmal auf einen kurzen Nenner zu bringen:
Wir leben, weil wir nicht anders können.
Wenn wir jetzt immer noch nach dem Sinn des Lebens fragen, dann können wir uns auf die Weisheit unserer Vorväter berufen. Sie lassen ihren Gott in der Bibel sagen: Gehet hin und mehret euch. Hierbei ist es gleichgültig, ob man die Bibel als religiöses Werkzeug nimmt, oder ob man die Weisheit unserer Vorväter Gott sagen lässt, was sie schon längst erkannt hatten und wovon sie überzeugt waren.
Und in der Tat, wenn wir bedenken mit welch ungeheurer Energie uns die Natur versehen hat, wenn es um die Befriedigung unseres Geschlechtstriebes geht, dann werden wir bald erkennen, dass es für uns eigentlich nichts Wichtigeres gibt, als Nachwuchs zu zeugen. Dies ist eine Behauptung die vielen Menschen gegen den Strich geht. Sie fühlen sich bei diesem Gedanken missbraucht. Sie argumentieren, dass das Leben mehr sein muss als Sex. Sie führen dann das Streben des Menschen nach Kultur ins Feld. Wenn man aber all die Tätigkeit der Menschen genau untersucht, auch ihr Streben nach Kultur, so dient es nur dazu unser Leben lebenswerter zu machen. Ein Leben, dass, wenn es nun schon einmal uns aufgezwungen ist, wir bemüht sind auszuschmücken und wie wir meinen, lebenswerter zu machen.
Aber der Mensch pflanzt sich auch weiter ohne Kultur, ohne Bücher, ohne all die wunderbaren Errungenschaften unserer Zeit. Wir kommen um die Tatsache, dass wir auf der Erde sind, um fortwährend Leben zu zeugen, die Fackel des Lebens weiter zu tragen, nicht herum. Der von uns errungene Fortschritt kann dieses Ziel nur variieren aber nicht unterbinden oder verdrängen.
Ich denke, dass es den Sinn des Lebens, so wie die Frage ihn beantwortet haben möchte, nicht gibt. Auf der Suche nach einer Antwort quälen wir uns nur selbst. Ebenso könnte sich ein Wassertropfen in einer Wolke fragen, welchen Sinn es hat, dass er über der Ostsee abgeregnet wird
Und was wäre schließlich, wenn wir darauf eine Antwort bekämen, wenn man uns z. B. sagen würde, wir seien das Produkt einer Materie, die sich mit unserer Hilfe selbst bewusst machen will. Oder wenn wir zum Beispiel erfahren würden, dass wir ausersehen sind uns eines Tages in den Weltraum zu begeben und von dort aus das Leben auf ferne Planeten zu tragen. Und wenn wir dann auf einem dieser Planeten wären, würden wir uns sicher fragen, und welchen Sinn hat das nun?
Es wäre eine Antwort, aber was für eine Antwort, würde sie uns helfen, würde sie uns glücklich machen, wären wir froh, endlich zu wissen. Es wäre uns am Ende gleich, weil wir, und da komme ich wieder zu meiner Feststellung vom Anfang, sowieso nicht anders können, als zu leben.
Stellen wir vielleicht die Frage nach dem Sinn des Lebens nur, um uns gegenseitig zu zeigen, wie klug wir sind, dass wir eine so schwere Frage stellen können?
Denn das kann ein Kamel sicherlich nicht.
Mittwoch, 24. Oktober 2007
Gedanken über die Sinnlosigkeit nach dem Sinn des Lebens zu fragen.
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