Wachstum
Was uns im Augenblick zugemutet wird, ist tatsächlich starker Tobak. Wir saßen nichts ahnend in unseren Lehnstühlen, tranken einen Kaffee und aßen dazu ein Stückchen Kuchen, da wurden wir aufgeschreckt mit Vokabeln wie: Bankenkrise, Weltwirtschaftskrise und Bankenkollaps.
Da habe ich nun jahrelang meine paar Kröten zur Bank getragen um mich damit für das Alter abzusichern, wohl bemerkt zu einer Bank, bei der die Frage nach der Sicherheit eine Beleidigung wäre, und nun muss ich mich plötzlich fragen, ist mein Geld auch noch sicher? Gut, die Kanzlerin beruhigt mich, sie will dafür geradestehen. Und doch, wenn die kritisch Denkenden, die ewigen Bedenkenträger (von denen wir in Deutschland reichlich haben) dann nachfragen, muss wieder relativiert werden und man spricht vom eventuellen Fall des größten Gaus, dann allerdings!?
Ich bleibe cool, lasse mein Geld wo es ist, will vernünftig sein, die Panik nicht anheizen. Und doch, obwohl die Politiker Unterstützung, Bürgschaftskredite anbieten, die Börsianer haben kein Vertrauen und ich werde den stillen Verdacht nicht los, dass sie auch jetzt noch mit fallenden Kursen zocken.
Aber wer will das schon beweisen. Vor einigen Tagen kam es zu konkreten Beschlüssen der Europäischen Politiker, worauf sich die Börse ein wenig beruhigt, es geht vorsichtig aufwärts, ein Hoffnungsschimmer am Horizont und in diesem Augenblick kommt, wie der Deus ex Machina, ein weiser alter Mann mit sorgenvollem Gesicht und erklärt, es ist aus mit dem Wachstum. Es ist aus, keine Hoffnung, wir haben keine Chance aus dem Schlamassel herauszukommen; kein Wachstum.
Und da werde ich als kleiner Bürger zum ersten Mal böse. Wer zum Teufel hat diesen Blödsinn aufgebracht, dass wir permanent Wachstum haben müssen. Ist ständiges Wachstum nicht am Ende ein Schneeballsystem? Ist es nicht eine Bankrotterklärung, wenn wir voraussetzen, dass wir ohne Wachstum nicht existieren können? Hatte noch nie jemand was davon gehört, das Wachstum auch an seine Grenzen stoßen kann? Ist denn noch niemand auf die Idee gekommen, dass gerade diese Ideologie des ständigen Wachstums uns in die Katastrophe geführt hat, die wir im Augenblick erleben, dass letzten Endes sie auch ein Ergebnis des zwanghaften Strebens nach Wachstum ist?
Nicht nur die großen Manager, sondern auch der so genannte "kleine Mann" strebt nach schnellem Gewinn. Und daran sind die Beschlüsse der Bundesregierung auch nicht unschuldig; anstatt eine verlässliche, ausreichende staatliche Rente zu fördern, stellt man dem Einzelnen anheim, sein Alter durch eigene Initiativen abzusichern. Wen wundert es, wenn dann einige versuchen, nach den großen Vorbildern, das schnelle Geld zu machen, und dabei auch vom Virus Gier befallen werden oder von skrupellosen Geschäftemachern über den Tisch gezogen werden. Wenn es dann an der Börse schief geht stehen sie im Alter mit leeren Taschen da und fallen doch wieder dem Staat zur Last.
Sich nicht bescheiden können, sich nicht einrichten auf einen gewissen Standard, das ist unser Problem. Oder wenigstens ein so geringes Wachstum anstreben, dass es noch realistisch bleibt?
Natürlich ist darüber schon längst nachgedacht worden. Das fing damals mit dem Club of Rome an. Aber dessen Ergebnisse wurden dann von anderen Wissenschaftlern wieder infrage gestellt und darum haben die Regierungen es nicht für nötig gehalten die Fragestellungen und Ideen des Club of Rome bei ihren Entscheidungen mit einzubeziehen. Die Politik des Tages war die jeweilige Lösung des täglichen Problems. Die Zukunft, mein Gott ja die Zukunft, das müssen dann andere lösen.
Zum Abschluss möchte ich ein Zitat des Club of Rome anfügen.
Zitat Club of Rome:
Im Internet unter:http://www.nachhaltigkeit.info/artikel bericht_des_club_of_rome_1972_537.htm
(...) Die Hauptverantwortung liegt dabei bei den industriell entwickelten Nationen, nicht weil diese ein besseres Verständnis für die Erfordernisse eines wahrhaft humanen Lebens haben, sondern
weil sie das Wachstumssyndrom erzeugt haben
und noch immer an der Spitze des Fortschritts stehen, auf dem das Wachstum beruht. Wenn tiefere Einsichten in die Bedingungen und Vorgänge innerhalb des Weltsystems entwickelt werden, so müssen diese Nationen erkennen, dass in einer Welt, die dringend der Stabilität bedarf, ihr hoher Entwicklungsstand nur dann gerechtfertigt ist und toleriert wird, wenn er nicht als Sprungbrett für eine noch raschere Entwicklung, sondern als Ausgangslage für eine gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand und Einkommen auf der ganzen Erde benutzt wird.
Freitag, 17. Oktober 2008
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