Donnerstag, 22. April 2010

Optimist - Pessimist



In meiner Jugend galt ich bei meinen Freunden als Optimist, als hoffnungsloser Optimist, der die Welt verbessern will. Darüber hinaus fanden sie mich noch äußerst naiv. Ich glaubte damals noch fest daran, dass sich das Gute immer durchsetzen würde. Ich war fest davon überzeugt, dass der feste Wille und Beharrlichkeit jede Schwierigkeit überwinden. Jede!
Ganz schön naiv, nicht war?
Ja, ich träumte davon, diese Welt zu verändern, zu verbessern. Ich war so sehr damit beschäftigt, mir zu überlegen, was alles anders sein müsse, was unternommen werden müsse, und wie es unternommen werden müsse, dass ich die augenblicklichen Probleme gering schätzte.
Ich wartete voller Ungeduld auf den Tag, an dem ich die Schule hinter mir lassen würde. Ich wollte endlich handeln. Die Schule hinderte mich nur daran. Reine Zeitverschwendung. Und dann endlich war es soweit. Die Schulzeit war worüber. Ich konnte Aufatmen und das wirkliche Leben beginnen, von dem ich geträumt hatte. Nur, man wird mir verzeihen, ich musste erst einmal verschnaufen, nur einen kurzen Augenblick. Ich habe mich dabei dann doch wohl ein wenig zu lange aufgehalten und wurde plötzlich vom wirklichen Leben überrollt. Ich brauchte Geld. Also wurde erst einmal Geld verdient. Und, um das Maß voll zu machen, kam mir auch noch die Liebe dazwischen. Ich kam ins Trudeln und wusste nicht mehr so recht, wo ansetzen beim Weltverbessern. Wenn ich mir die Ziele meiner Jugend ins Gedächtnis rief, dann spürte ich immer deutlicher, dass alles noch einmal überdacht werden sollte. Präzisiert werden. Der Kern muss herausgeschält werden.
Aber, doch, das Ganze war machbar. Nur im Augenblick hatte ich leider keine Zeit dazu. Ich hatte inzwischen 2 Kinder und die Familie verlangte ihr Recht. Na, dass versteht doch jeder vernünftige Mensch. Und so wurde der Kern meiner Ideen immer kleiner und kleiner.
Ich gestand mir schließlich ein: So wie ich es gewollt hatte war es nicht möglich die Menschen und die Welt zu verändern. In einer Welt, in der der Kampf Mann gegen Mann schon am Arbeitsplatz beginnt, hatte ich keine Chancen.
Bei soviel Egoismus, Neid und Hass hat das Gute einen schweren Stand. Ich wurde Pessimist. Hoffte auf nichts, glaubte an nichts und zweifelte an allem.
Donnerwetter, dachte ich bei mir, was hast du doch für kluge Freunde gehabt. Sie wussten schon in jungen Jahren, wie diese Welt läuft. Während ich noch träumte, waren sie schon erwachsen. Aber da ich gerade meine skeptische Phase hatte, begann ich auch daran zu zweifeln, dass sie schon in jungen Jahren soviel klüger und welterfahrener waren als ich. Waren sie nicht eher altklug, hatten Zweifel und Pessimismus von den Erwachsenen übernommen, nichts, was sie selbst erfahren hatten?
Meine ständigen Zweifel lähmten meine Aktivität. Ich war an nichts mehr interessiert.
Das Leben aber ist Bewegung und Veränderung. Wir müssen den Dingen gegenüber aufgeschlossen sein, die um uns herum geschehen. Pessimismus ist in seiner letzten Konsequenz Selbstmord. Und dazu war ich keineswegs bereit. In mir begann der Optimismus wieder kleine Triebe zu treiben. Diese Welt bestand nun schon seit etlichen tausend Jahre. Naiv zu glauben die Vorfahren hätten nicht ähnliche Krisen durchgemacht. Und doch hatte sich diese Welt weiterentwickelt, langsam, aber stetig, trotz der vielen niederschmetternden Erfahrungen zeichnete sich ein Aufwärtstrend ab, warum sollte ich da abseits stehen und langsam dämmerte es mir;

Vielleicht wächst unsere Wirklichkeit auf dem Nährboden unserer Träume

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