Freitag, 20. März 2009
Der Amoklauf von Winnenden
Auch die Psychologen können die Frage nicht beantworten, oder zumindest sind ihre Antworten nicht befriedigend und da ist es natürlich erlaubt auch für den Laien zu spekulieren. Wo können die Ursachen liegen?
Erstes Problem, der Autor ist 79 Jahre alt. Was versteht er von der heutigen Jugend?
Lassen wir das einmal beiseite. Ich versuche mich in diesen Jugendlichen unserer Tage hinein zu versetzen. Er lebt, wie man das so vermuten darf, in einem gut situierten Elternhaus, der Vater ein Waffenliebhaber, lässt seine Beretta auf dem Nachttisch im Schlafzimmer liegen. Ist im Schützen Club.
Die erste Frage, die immer wieder auftaucht, sitzt er viel am Computer und spielt die berühmten Killerspiele? Ja, das tut er.
Aber, ist es zwingend, dass ihn das in die Verzweiflungstat treibt?
Kann es sein, dass ihn, den siebzehnjährigen, der noch in der Ausbildung ist, das politische Umfeld, die gesamte wirtschaftliche Lage und speziell auch unserer Nation, die nicht gerade rosige Zukunft, der er als Jugendlicher entgegensieht, dass ihn das in die Depression treibt zu einer entsetzlichen Verzweiflungstat?
Ich vermute, dass er viel zu egoistisch war um solche Dinge, die doch relativ weit von seiner privaten Sphäre entfernt sich abspielen, zum Anlass zu nehmen, um auszurasten. Meine Vermutung geht eher dahin, dass jungen Menschen die ganz persönlichen, nahe stehenden, sie direkt betreffenden Situationen und Ereignisse weitaus eher unter die Haut gehen. Sie können sie dazu bringen, sich selbst isoliert in dieser Welt zu sehen. Das Geheimnis wird wohl in ihrem persönlichen Ansprüchen und wünschen und Erwartungen, die sie an ihr Leben haben, liegen.
Motive die oft so einfach sind, die sie aber nicht in der Lage sind zu formulieren, weil ihr Umfeld daran kein Interesse hat oder nicht merkt, dass ein Bedürfnis besteht. Ich denke daran, dass sie oft Probleme haben echte Freundschaften zu schließen, dass sie sich in ihrem Altersgruppenkreis als Außenseiter sehen, der nicht anerkannt wird, der nicht verstanden wird, dem sie sich nicht zu erwehren wissen, der sie verspottet, oder lächerlich macht. Dass sie ein stilles Bedürfnis nach Liebe haben, dass sie bei Mädchen, Frauen nicht ankommen, da sie nicht wissen wie sie sich geben sollen, da sie nicht in der Lage sind die Aufmerksamkeit und das Interesse des weiblichen Geschlechtes auf sich zu lenken und darin ein ganz persönliches Versagen sehen. Sie wissen im tiefsten Innern, dass eine weibliche Partnerschaft ihrem Leben erst einen Sinn gibt, können das nicht formulieren, wagen auch nicht es zu formulieren, weil sie dann in ihrer Umgebung als Versager gesehen werden.
Kurz gesagt, dieser junge Mensch sah sich vermutlich nicht in der Lage in seinem ganz persönlichen Lebensumfeld Tritt zu fassen und kam sich überflüssig vor, nicht gebraucht, nicht verstanden. Er empfand, dass er all die Dinge nicht erreichen kann, die Dreh und Angelpunkt seines Lebens sein müssten. Er sieht keine Möglichkeit das Problem zu lösen. Sein Leben scheint ihm absolut sinnlos. Er will sich umbringen, sich selbst von der Qual befreien, die diese Demütigungen ihm machen.
Er könnte sich im stillen Kämmerlein umbringen. Das aber kann ihn nicht befriedigen. Er will sich umbringen und gleichzeitig ein Zeichen setzen, will der Gesellschaft etwas zu denken geben, ihr zeigen, dass sie schuld daran ist. Der Gedanke daran ist für ihn eine Befriedigung.
Vielleicht aber fehlte der Mut, sich umzubringen. Der Druck ist nicht ausreichend groß genug. Er setzt sich unter Zugzwang. Er wählt unbewusst einen Umweg, in dem er Unschuldige umbringt, eine Tat, aus der er nur den einen Ausweg sieht, sich selbst umzubringen. Da er sowieso aus dem Leben geht, existiert diese Welt danach nicht mehr für ihn und deshalb ist es ohne Bedeutung, wie viele Menschen er mit in den Tod reißt.
Aber das Umfeld in dem er diese Menschen sucht, soll Hinweis darauf sein in welchem Umfeld er die größten Demütigungen erfahren hat. Dieser junge Mann hat von Anfang an gewusst, dass sein Amoklauf mit seinem Tod enden muss. Er hat kein Mitleid gegen sich, warum sollte er Mitleid gegen andere haben. Es ist völlig gleichgültig für ihn, wen er erschießt und wie viele, aber jede einzelne Person soll die Gesellschaft anklagen und die Intensität seines Schmerzes verdeutlichen.
An dieser Stelle kommen dann vielleicht auch die so genannten Killerspiele wieder ins Gespräch. Sie produzieren eine Gefühlslosigkeit, Anteilnahmslosigkeit, Stummpfheit, die durch die vielen am Computer produzierten virtuellen Morde entstehen kann. Natürlich wissen die meisten Jugendlichen das virtuelle Geschehen am Computer und die Wirklichkeit auseinander zu halten, aber bei diesem Amokläufer sind virtuelle Welt und Wirklichkeit miteinander verschmolzen. Vielleicht verdeutlicht das seine Antwort auf die Frage warum er tötet:
"Weil es Spaß macht!"
Vielleicht war das Leben für ihn nur die Fortsetzung eines virtuellen Computerspiels?
Samstag, 13. Dezember 2008
Langeweile
Hoppla, das ist nun nicht selbstverständlich, denn gerade wenn wir Langeweile haben, fangen wir an über Gott und die Welt nachzudenken und da stoßen wir fast automatisch, weil wir eigentlich unbewusst, zielstrebig danach suchen, auf die im Augenblick anstehenden und auch die kommenden Probleme. Sie türmen sich in der Situation der Langeweile, wie von geisterhaft geschaffen, zu riesigen Gebirgen auf. Sie sind liebevoll hausgemacht, haben aber längst nicht die Qualität von hausgemachter Leberwurst.
Da komme ich tatsächlich ins philosophieren; wie ist das denn möglich? Und schon wird mir klar, dass Probleme sehr häufig auch das Produkt der Langeweile sind. Wir haben reichlich Zeit und da machen wir uns eben Probleme. Wobei die Betonung auf machen liegt, wir tun also etwas, wir sind produktiv, schaffen etwas Neues; ein Problem, das vorher noch nicht da war.
Wir haben nichts um die Hände, wie man so schön sagt. Wir haben nichts physisches oder geistiges, dass unsere Aufmerksamkeit verlangt und uns ablenkt. Da muss kein Nagel ins Brett geschlagen, kein Bild an die Wand gehängt werden. Da muss auch kein Brief geschrieben werden. Es muss auch nicht telefoniert werden. Wir haben auch keine Lust zum Fernsehen. Die Zeitung langweilt uns. Und das Buch, das wir gerade lesen, ist auch nicht besonders interessant. Es ist also nichts da, dass unser Hirn beschäftigt und fordert. Jetzt arbeitet es mit Vollgas im Leerlauf. Das kann sehr schnell zu Überhitzung führen. Und darum greifen wir zur Notbremse, wir machen uns Sorgen und verhindern so einen Kolbenfresser. Es ist besser wir machen uns Sorgen, als das wir zu intensiv an gar nichts denken.
Ja, soll das denn heißen, dass wir armen Schweinchen ständig was um die Ohren haben müssen, sonst kommen wir auf dumme Gedanken?
Aber wir können eben nicht einfach so dasitzen, an nichts denken und nichts tun!
Oh man, da fällt mir gerade ein, dass es ja Menschen gibt die das mit Erfolg tun und dabei mit sich und der Welt im Einklang sind. Das nennt man ja wohl meditieren, die große Kunst der Langeweile, die hohe Schule der Langeweile. Nun frage ich mich natürlich wo liegt denn eigentlich der Vorteil des Meditierens? Was habe ich noch vom Leben, wenn ich keine Beschäftigung habe, keine Arbeit und keine Probleme, bin ich dann überhaupt noch bewusst in dieser Welt?
Na ja, meditieren ist auf jeden Fall umweltfreundlich, der Energieverbrauch wird herabgesetzt und die Ressourcen werden geschont. Es ist wohl so etwas wie ein Erholungsurlaub vom Leben?
Jetzt wird es schwierig für mich, ist das wirklich erstrebenswert. Die Zeit unseres Erdendaseins, in der wir bewusst am Leben teilnehmen, ist ja sowieso schon gekürzt durch die nächtliche Ruhezeit. Wenn ich dann noch den ganzen Tag über meditiere, lebe ich dann überhaupt noch? Wäre das nicht so etwas wie ein lebend, bei vollem Bewusstsein vorauserlebter Tod? Da kann ich mir doch gleichen einen Strick nehmen!
Nein, dann langweile ich mich lieber, keine Sorgen mehr haben, keine Probleme mehr haben? Nein, die Sorge möchte ich nicht haben. Wo bleibt denn da der Spaß am Leben?
Samstag, 8. November 2008
Fluch oder Segen der E-Mail!
Aber die Sache hat auch einen Haken! Es ist alles viel zu einfach, viel zu leicht. Obwohl es uns noch nie so leicht gemacht worden ist, auf eine Nachricht zu antworten; wir Klicken auf der empfangenen E-Mail auf "Antworten", können ein, zwei Sätze schreiben, abschicken, fertig;
Denkste, möchte man sagen. Dabei ist alles ganz einfach, man benötigt kein Briefpapier, keinen Briefumschlag, keine Briefmarke, muss nicht zum Briefkasten oder zum Postamt. Wir setzen uns an den Computer, Schreiben die Nachricht, holen die Adresse aus dem Speicher, absenden, fertig.
Da es so einfach ist, schreiben wir häufiger und unsere Freunde und Bekannten bekommen weitaus häufiger Post, als sie das früher von uns gewohnt waren. Das Problem ist aber, früher bekamen sie einmal zu Weihnachten eine Postkarte, oder einen Brief. Diese Post wurde dann in einem Kraftakt einmal im Jahr beantwortet und man hatte Ruhe. Die Rolle des Beantworters war häufig sogar noch an die Ehefrau delegiert, weil der Ehemann ein Kommunikationsmuffel war.
Dann kam das Zeitalter der Computer, statistisch doch wohl eine Domäne der Männer, also fiel ihnen als eine Zugabe auch das Schreiben von E-Mails zu. Jetzt beginnt die Sache schwierig zu werden, da sie gar nicht so gerne schreiben, ignorieren sie die eine oder andere E-Mail und lassen sie unbeantwortet, die Sache beginnt lästig zu werden. Also schaut man nicht mehr so häufig in die E-Mails, löscht die aufgelaufenen Nachrichten und wartet auf den nächsten Ansturm.
Von der nicht angeforderten Werbung und ähnlichem will ich an dieser Stelle gar nicht reden.
Es ist also häufig so, dass unser Bedürfnis, etwas mitzuteilen, ins Leere läuft. Nicht unbedingt aus Boshaftigkeit bleibt unsere Nachricht unbeantwortet, sondern wohl mehr weil man sich dann doch ein wenig belästigt und überfordert fühlt. Heutzutage kann es schon mal vorkommen, dass man das Bedürfnis verspürt, einen bestimmten Spruch, einen Witz, ein paar interessante Bilder oder einen Zeitungsausschnitt seinen Freunden und Bekannten zukommen zu lassen. Dann schickt man ein Rundschreiben an 20 Personen. Und wenn wir dann auf eine Reaktion warten, werden wir meistens enttäuscht.
Wer macht sich heute noch bewusst, dass es früher ganz unmöglich war. Solche Rundbriefe hätten einen enormen Aufwand bedeutet. Man hätte 20 Kopien besorgen müssen, 20 Briefumschläge, 20 Briefmarken und 20 Adressen schreiben müssen. Ohne Not hätte das niemand getan. Da es aber so einfach ist solch einen Vorgang mit einer E-Mail zu starten, packt uns der Übermut und wir überfluten unsere Briefpartner mit Nachrichten, Notizen und Bildern, die für uns bemerkenswert und mitteilenswert sind. Das trifft aber leider nicht immer auf Gegenliebe und wir dürfen uns nicht wundern, wenn der Adressat nicht reagiert.
Wundern und auch ärgern dürfen wir uns aber, wenn wir eine ganz persönliche, individuelle Nachricht geschickt haben und darauf keine Antwort bekommen. Diese Art der Unhöflichkeit weitet sich aus wie eine Epidemie. Ja ist sie schon zur Selbstverständlichkeit geworden nach dem Motto, wenn du mir schreibst, tust du das auf eigenes Risiko. Und diese Einstellung finden wir noch häufiger, wenn wir Firmen, Behörden, Institutionen anschreiben und damit rechnen müssen, dass wir grundsätzlich nur eine Antwort bekommen, wenn dem Adressaten unseres Schreibens aus dem Kontakt mit uns ein Vorteil erwächst. Höflichkeit ist reiner Zufall. Geschäft ist Geschäft.
Und auf diese Art und Weise sind die so leicht Erreichbaren unerreichbar geworden.
Fluch oder Segen der E-Mail? Diese Frage muss letztendlich jeder für sich selbst beantworten.
Freitag, 24. Oktober 2008
Erfahrung
Kein Mensch, der in einem normalen Gespräch das Wort "Erfahrung" in den Mund nimmt, denkt an die Interpretationsbreite, vielmehr verwenden wir das Wort meistens nur als die Summe der Erkenntnisse unseres Lebens aus den Erfolgen und Misserfolgen unserer Handlungen. Und vorrangig geht es doch wohl darum sich im normalen Alltag des Berufsumfeldes in einem vertrauten Medium mit einer gewissen Routine zu bewegen. Dabei ist immer noch zu entscheiden, ob nur der als erfahren gelten kann, der mit einem "+" vor seiner Erfahrungssumme bestehen kann, oder auch genauso gut derjenige, der mit einem "-" aus dem Rennen hervorgeht.
Mir ist die Anwendung dieses Wortes ganz besonders in der amerikanischen Präsidentschafts- Kandidatendebatte suspekt. Was mir dabei grosse Sorgen macht, ist die Tatsache, dass ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung positiv auf die Art der Erfahrungen Senator McCains anspricht (ich empfinde das als eine gewisse Bereitschaft der Amerikaner zur Aggression).
Er rühmt sich ein erfahrener Krieger zu sein, der mit Krisensituationen umgehen kann. Krieg wird aber selten mit den Waffen der Diplomatie geführt. Krieg ist der Einsatz des letzten Mittels, des Tötens und Zerstörens, der brutalen Gewalt. Und wenn man den Gegner dann noch mit List und Tücke überrumpelt, dann nennt man das Taktik und Senator McCain rühmt sich im Besitz dieser Art von Taktik zu sein. Wobei ich nicht einsehen will, was Erfahrungen aus Kampfsituationen, ganz besonders zurzeit einer weltweiten Finanzkrise, bringen sollen.
An dieser Stelle frage ich mich, was ich eigentlich vom Präsidenten eines Landes erwarte. Ich bin mir sehr wohl im klaren darüber, dass meine Erwartungen wirklichkeitsfremd erscheinen, wenn man in Betracht zieht, welche Persönlichkeiten wir heute tatsächlich in den Führungsetagen vorfinden. Ich meine aber man sollte die Anforderungen so hoch wie möglich stellen.
Logisch, ein bisschen Intelligenz soll er schon mitbringen, eine breite Palette Allgemeinwissen. Was ich aber für ganz besonders wichtig halte, ist Menschenkenntnis und die kluge psychologische Umsetzung seiner Menschenkenntnisse. Er kann unmöglich alles wissen was zur Führung eines Staates in seiner Komplexität nötig ist und braucht also Berater die klug und kenntnisreich loyal zu ihm stehen. Da ist ganz besonders seine Menschenkenntnis gefragt, die Speichellecker erkennen, die Postenjäger, die meinungslosen, unkritischen Jasager, die Lobbyisten.
Es ist nicht einfach in der heutigen Zeit in der oberen Postenliga Idealisten mit Rückgrat zu finden, die kenntnisreich zu ihrer Meinung stehen.
Der Präsident eines Landes, oder die Präsidentin, sollten zuhören können und in der Lage sein aus dem ihnen vermittelten Wissen und den Kenntnissen Anderer eine abgewogene Schlussfolgerung zu ziehen. Wer zuzuhören versteht, nicht mit zu vielen Erfahrungen vorbelastet ist, dem fällt es leichter neue Erkenntnisse zu akzeptieren, als jemandem der seine Erfahrungen, auf welchem Gebiet sie auch immer gewesen sein mögen, allem voran setzt, und sich weigert neue Erkenntnisse seinen Erfahrungen gegenüberzustellen und mit einzubeziehen. Wann immer es einem Land gelingt, einen so gearteten Führer an der Spitze zu haben, kann es sich glücklich schätzen und dann wünsche ich ihm nur noch eins; dass er ausgerüstet mit diesen Fähigkeiten allen Versuchungen widersteht und sich am Ende nicht durch die ihm gegebene Macht korrumpieren lässt.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Rentnerfreuden
Wenn es nun so ist, dass wir sowieso sterben müssen und dass wir überhaupt keinen Einfluss darauf haben, wann das sein wird, dann lasst uns doch in der Zwischenzeit den Rest unserer Tage genießen.
Ja und dann genießen wir. Unsere Vorfahren hatten noch ein starkes Verantwortungsgefühl und waren bestrebt, den nach ihnen kommenden Generationen etwas zu hinterlassen. Wir sind da weitaus egoistischer. Wir sagen uns: Sie sind gesund und kräftig, die können unter den gegebenen Umständen durchaus für sich selber sorgen. Sie geben uns ständig zu verstehen dass sie groß sind, dass sie Verstand haben, dass sie alle Probleme selber lösen können, dass sie unsere schlauen Ratschläge nicht benötigen. Das macht uns trotzig und wir meinen dann, nun denn, sollen sie sehen wie sie ihr Leben meistern.
Die enge Bindung zwischen Eltern und Kindern bricht mit zunehmendem Alter immer weiter auf. Die Eltern fühlen sich nicht mehr verantwortlich für die Kinder, aber die Kinder fühlen sich auch nicht verantwortlich für die Eltern. Die Eltern haben nicht mehr automatisch einen Rückhalt bei den Kindern; sie wissen genau, wenn sie hilflos werden müssen sie auf die Hilfe des Staates und die eigenen Möglichkeiten zurückgreifen und das bringt sie eben zu der Einstellung, dass, was sie an Mitteln haben dafür einzusetzen, so viel vom Alter wie nur irgend möglich auszuschöpfen.
Und so reisen sie in Länder, die für unsere Vorfahren oft nur mystische Traumländer waren. Sie reisen in die Türkei, sie reisen nach Italien, sie reisen nach Griechenland nach Ägypten nach Amerika nach China und Japan. Sie haben am Ende ihres Lebens oft mehr gesehen, als je eine Generation vor uns.
Aber was haben Sie eigentlich gesehen? Sie haben doch nur einen kleinen Ausflug auf unserem Planeten machen können. Zugegeben es lohnt sich schon, es gibt wirklich viel zu sehen und zu bewundern, aber was bringt uns das? Was machen wir denn in den fremden Ländern? Wir lassen uns herausragende Denkmäler, Kirchen, Museen zeigen. Wir amüsieren, bewundern, begeistern uns über die Art, wie sich die Einheimischen ernähren, nehmen davon vieles mit nach Haus. Wir sehen ihr Leben, ihrer Armut, ihre Leiden vor uns ablaufen wie ein Theaterstück. Wir haben kein schlechtes Gewissen. Wir haben ja Eintritt bezahlt. Irgendwer profitiert davon. Wir sind die berühmten Touristenschwärme, die man melkt, ausquetscht und mit leeren Taschen nachhause schickt aber selten versteht.
Woran liegt das? Weil wir sehen und nicht begreifen und verstehen. Wir haben ja gar keine Zeit, uns in das Leben der fremden Länder hinein zu denken, in die wir reisen. Gebäude, die Städte, die historischen Stätten, sie alle wurden gebaut von den Bewohnern, Menschen dieser Länder. Nur ganz selten verstehen wir ihre Sprache, können uns mit ihnen nicht unterhalten, also werden wir sie auch nicht verstehen. Und doch kommen wir nachhause mit dem Gefühl etwas Großes erlebt zu haben, berichten unseren Freunden was wir gesehen haben. Sie beneiden uns, uns die Weltenbummler.
Dabei sind wir doch nur arme Sammler. Was uns von unseren Weltreisen bleibt ist eine Unmenge von Diapositiven, die bei denen heute uns zugänglichen Bildern aus aller Welt keiner mehr sehen will. Für die Zuschauer ist es langweilig, denn sie bekommen das Parlament, das Haus des Ministers, den Vatikan, den Eiffelturm und und und und zu sehen. Damit können sie nichts anfangen.
Warum tun wir uns das an? Es ist die Rastlosigkeit, die uns treibt, der ständige Termindruck unter dem wir stehen, hinter dem oft unausgesprochen die bange Frage steht, wer weiß, wie lange wir das noch können. Es ist die Angst vor der Langeweile. Zuhause sitzen, die Wände anstarren und draußen pulsiert das Leben, lockt verführerisch. Wir haben Angst etwas zu versäumen. Es ist die ständige Neugier auf etwas, das wir verstehen wollen aber selten begreifen können, darum machen wir eben ein Foto, schon als Beweis das wir waren da. Aber das Foto reicht nicht, es ist nur Beweis, wenn wir sehen, dass vor jedem Gebäude die liebe Gerda sitzt, steht, lacht oder einem armen Bettler eine Münze spendiert. Auf die Art und Weise wird auch noch Wohltätigkeit dokumentiert.
Auch das reicht uns aber nicht immer, wir sammeln fleißig weitere Beweisstücke; eine Vase mit dem Abbild des Papstes, ein geschnitzter Elefant von der Elfenbeinküste, einen Poncho aus Südamerika und was dergleichen überflüssiges dann später alles in den Regalen verstaubt. Aber diese Beweisstücke sind ja lediglich auch nur im Zusammenhang mit den entsprechenden Fotografien beweiskräftig. Vieles davon kann man heute schon auf allen Flohmärkten kaufen.
Das bringt mich schließlich zu der Frage: Warum nicht gleich auf den Flohmarkt gehen? Gleich ein paar Bücher aus fremden Ländern mitbringen, zuhause bleiben, den Poncho überwerfen und es sich hinterm warmen Ofen gemütlich machen, wenn es draußen schneit.
Wie wäre das, und im nächsten Jahr gut informiert in den Urlaub fahren?
Freitag, 17. Oktober 2008
Wachstum
Was uns im Augenblick zugemutet wird, ist tatsächlich starker Tobak. Wir saßen nichts ahnend in unseren Lehnstühlen, tranken einen Kaffee und aßen dazu ein Stückchen Kuchen, da wurden wir aufgeschreckt mit Vokabeln wie: Bankenkrise, Weltwirtschaftskrise und Bankenkollaps.
Da habe ich nun jahrelang meine paar Kröten zur Bank getragen um mich damit für das Alter abzusichern, wohl bemerkt zu einer Bank, bei der die Frage nach der Sicherheit eine Beleidigung wäre, und nun muss ich mich plötzlich fragen, ist mein Geld auch noch sicher? Gut, die Kanzlerin beruhigt mich, sie will dafür geradestehen. Und doch, wenn die kritisch Denkenden, die ewigen Bedenkenträger (von denen wir in Deutschland reichlich haben) dann nachfragen, muss wieder relativiert werden und man spricht vom eventuellen Fall des größten Gaus, dann allerdings!?
Ich bleibe cool, lasse mein Geld wo es ist, will vernünftig sein, die Panik nicht anheizen. Und doch, obwohl die Politiker Unterstützung, Bürgschaftskredite anbieten, die Börsianer haben kein Vertrauen und ich werde den stillen Verdacht nicht los, dass sie auch jetzt noch mit fallenden Kursen zocken.
Aber wer will das schon beweisen. Vor einigen Tagen kam es zu konkreten Beschlüssen der Europäischen Politiker, worauf sich die Börse ein wenig beruhigt, es geht vorsichtig aufwärts, ein Hoffnungsschimmer am Horizont und in diesem Augenblick kommt, wie der Deus ex Machina, ein weiser alter Mann mit sorgenvollem Gesicht und erklärt, es ist aus mit dem Wachstum. Es ist aus, keine Hoffnung, wir haben keine Chance aus dem Schlamassel herauszukommen; kein Wachstum.
Und da werde ich als kleiner Bürger zum ersten Mal böse. Wer zum Teufel hat diesen Blödsinn aufgebracht, dass wir permanent Wachstum haben müssen. Ist ständiges Wachstum nicht am Ende ein Schneeballsystem? Ist es nicht eine Bankrotterklärung, wenn wir voraussetzen, dass wir ohne Wachstum nicht existieren können? Hatte noch nie jemand was davon gehört, das Wachstum auch an seine Grenzen stoßen kann? Ist denn noch niemand auf die Idee gekommen, dass gerade diese Ideologie des ständigen Wachstums uns in die Katastrophe geführt hat, die wir im Augenblick erleben, dass letzten Endes sie auch ein Ergebnis des zwanghaften Strebens nach Wachstum ist?
Nicht nur die großen Manager, sondern auch der so genannte "kleine Mann" strebt nach schnellem Gewinn. Und daran sind die Beschlüsse der Bundesregierung auch nicht unschuldig; anstatt eine verlässliche, ausreichende staatliche Rente zu fördern, stellt man dem Einzelnen anheim, sein Alter durch eigene Initiativen abzusichern. Wen wundert es, wenn dann einige versuchen, nach den großen Vorbildern, das schnelle Geld zu machen, und dabei auch vom Virus Gier befallen werden oder von skrupellosen Geschäftemachern über den Tisch gezogen werden. Wenn es dann an der Börse schief geht stehen sie im Alter mit leeren Taschen da und fallen doch wieder dem Staat zur Last.
Sich nicht bescheiden können, sich nicht einrichten auf einen gewissen Standard, das ist unser Problem. Oder wenigstens ein so geringes Wachstum anstreben, dass es noch realistisch bleibt?
Natürlich ist darüber schon längst nachgedacht worden. Das fing damals mit dem Club of Rome an. Aber dessen Ergebnisse wurden dann von anderen Wissenschaftlern wieder infrage gestellt und darum haben die Regierungen es nicht für nötig gehalten die Fragestellungen und Ideen des Club of Rome bei ihren Entscheidungen mit einzubeziehen. Die Politik des Tages war die jeweilige Lösung des täglichen Problems. Die Zukunft, mein Gott ja die Zukunft, das müssen dann andere lösen.
Zum Abschluss möchte ich ein Zitat des Club of Rome anfügen.
Zitat Club of Rome:
Im Internet unter:http://www.nachhaltigkeit.info/artikel bericht_des_club_of_rome_1972_537.htm
(...) Die Hauptverantwortung liegt dabei bei den industriell entwickelten Nationen, nicht weil diese ein besseres Verständnis für die Erfordernisse eines wahrhaft humanen Lebens haben, sondern
weil sie das Wachstumssyndrom erzeugt haben
und noch immer an der Spitze des Fortschritts stehen, auf dem das Wachstum beruht. Wenn tiefere Einsichten in die Bedingungen und Vorgänge innerhalb des Weltsystems entwickelt werden, so müssen diese Nationen erkennen, dass in einer Welt, die dringend der Stabilität bedarf, ihr hoher Entwicklungsstand nur dann gerechtfertigt ist und toleriert wird, wenn er nicht als Sprungbrett für eine noch raschere Entwicklung, sondern als Ausgangslage für eine gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand und Einkommen auf der ganzen Erde benutzt wird.
Donnerstag, 11. September 2008
Ein Lob dem Lob
Loben wir eigentlich genug? Natürlich muss sich das jeder selbst fragen aber ich fürchte, wenn wir ehrlich sind wird die Antwort "nein" heißen müssen. Woran liegt es? Wir müssen doch wissen wie das ist. Wie oft haben wir uns im Stillen ein Lob gewünscht? Wie so tun wir uns damit so schwer?
Lob kann auf sehr unterschiedliche Art geäußert werden: Man kann jemandes lob singen, Lob spenden, man kann sich in Lob erschöpfen.
Man kann mit dem Lob schmeicheln, man kann nach Lob dürsten, man kann aber auch über jedes Lob erhaben sein.
Großzügig spenden wir häufig Lob am Grabe des Verstorbenen, doch oft genug wird man sich fragen müssen, was dieses Lob wert ist, denn der Verstorbene hätte es zu Lebzeiten sicher lieber gehört.
Diese Betrachtungen machen es uns nicht gerade leichter ein Lob auszusprechen. Wenn wir dann in unsere Überlegungen noch den Spruch einbeziehen "Wer mir schmeichelt ist mein Feind, wer mich tadelt mein Lehrer", können wir schon einmal daran zweifeln, ob wir dem zu lobenden wirklich einen Gefallen tun.
Darüber hinaus meinen wir wohl auch, dass vieles in der täglichen Routine so selbstverständlich ist, dass es nicht lobens wert ist. Einer der Gründe wird auch sein, dass es uns schwer fällt, die Leistung anderer anzuerkennen.
In uns meldet sich manchmal dieser "kleine Schweinehund", der uns einreden will, wenn man mich nur lassen würde, oder ich die Zeit dazu hätte, wenn mich die ganze Welt nicht immer missverstehen würde, oder, oder, oder….. , könnte ich das auch. In unseren Tagträumen lassen wir uns schon einmal zu solchen Fantasien hinreißen.
Vielleicht findet sich aber auch eine Erklärung in der Definition, die ich in einem Lexikon fand:
Lob ist eine soziale Anerkennung einer Leistung. Sie dient unter anderem der Motivation der gelobten Person, um das gezeigte Verhalten fortzuführen bzw. das Bemühen zu intensivieren.
Der Wert der Anerkennung beruht auf der Kompetenz oder Macht des Lobenden und auf seiner Seltenheit.
Nun kann man sicher über solche Definitionen streiten, aber der zweite Satz scheint eine wesentliche Erklärung zu geben. Ein Lob freut uns besonders, wenn die lobende Person eine hohe Kompetenz besitzt und dadurch das Lob aufgewertet wird. Natürlich bestimmt auch die Seltenheit den Wert eines Lobes. Wenn das Lob allerdings nur aus dem Motiv heraus ausgesprochen wird "um das gezeigte Verhalten fortzuführen beziehungsweise das Bemühen zu intensivieren", dann hat es für mich auch schon einen bitteren Beigeschmack, weil dieses Lob nicht wertfrei ist, sondern nur ausgesprochen wird, um denjenigen, der es ausspricht einen Vorteil zu verschaffen. Es macht auch einen wesentlichen Unterschied aus, ob der Chef einer großen Firma, oder eine andere Person mit hoher Kompetenz, uns zu sich ruft, um uns vor anderen zu loben, oder ob unser kleiner vierjähriger Sohn sagt: "Papa, das hast du ganz toll gemacht!"
Nicht dass wir uns darüber nicht freuen aber innerlich stufen wir das Lob doch ein wenig herunter mit einer gedachten Bemerkung wie, "ach der Kleine". Wobei wir natürlich mit Sicherheit wissen, dass sein Lob ehrlich und neidlos und absichtslos ist.
Ein Lob auszusprechen, bei dem man eine anerkennende, neidlose, bewundernde Herzlichkeit spürt, ist gar nicht so einfach, wie wir vielleicht glauben. Daher sind manche Menschen auch unsicher, ob sie sich über ein Lob freuen sollen oder nicht, wenn sie dahinter eine manipulierende Absicht verspüren. Wir tendieren daher wohl eher dazu, mit einem Lob zu geizen, weil dabei unbewusst oder unausgesprochen der Gedanke "wer lobt mich denn?", auch eine große Rolle spielt. Wir werden uns nicht häufig eingestehen, dass Missgunst, Eifersucht und Neid eine Rolle spielen.
Fazit dieser kleinen Betrachtung:
Grundsätzlich sollten wir ständig unser Bestes geben und alles nur nach bestem Wissen, in bester Absicht tun. Wenn wir dafür nicht lobende Anerkennung finden, dann tun wir es eben selber, darauf können wir uns wenigstens verlassen.